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Meinung

Frage nicht was dein Kunde für dich tun kann, sondern was du für deinen Kunden tun kannst!

Ok, dieses Intro ist a) geklaut und b) verfremdet, aber es trifft aktuell meine Gedanken zu den Veränderungen der letzten Wochen. Nach erster Schockstarre über den völligen Lock Down unserer Branche in Zeiten von Corona habe ich viel gelesen, viel gehört und geschaut, was unsere Branche so treibt.

Diejenigen, die schon lange eine zuverlässige Digitalisierung unserer Branche fordern und virtuelle Events befeuern, fühlen sich nun bestärkt und proklamieren, dass doch nahezu jedes Format der MICE-Branche zu digitalisieren sei.

Die eher ängstlichen und veränderungsscheuen Vertreter fordern von der Politik klare Aussagen, wann es wie gewohnt weiter gehen darf, diskutieren die Zahlenbeschränkungen für Veranstaltungen und pochen in der Zwischenzeit auf Ausgleichszahlung durch den Staat.

Die kreativen Macher und Optimisten suchen nach Alternativen, um lieb gewonnenes und später wieder dringend benötigtes Fachpersonal zu halten, schleppen Nähmaschinen und Stoffballen in die Eventagentur und nähen Mund-Nasen-Behelfsmasken. Zunächst für soziale Einrichtungen und nun für die wachsende Nachfrage durch Maskenpflicht in allen Bundesländern.

Ich lese das alles, finde manches gut, anderes weniger und mache mir so meine Gedanken, die eigentlich gar nichts mit unserer Branche zu tun haben, oder doch?

Was ich in unseren Kanälen wenig lese ist, dass sich Gedanken gemacht wird, wie es um all die anderen Branchen steht, seit Corona:

Welche Effekte hat Corona auf deinen Kunden? Wie sieht die Businessaussicht aus für Finanzdienstleister, Konsumgüterhersteller, Handelsgesellschaften, Medienfirmen, Automobil und deren Zulieferer, Nutzfahrzeuge für Landwirtschaft, Logistik, öffentliche Auftraggeber oder die Pharmaindustrie? Wer glaubt, dass wir uns um Letztere nicht sorgen müssen, hat Globalisierung nicht verstanden.

Wissen wir, was unsere Kunden in dieser Krise umtreibt? Wissen wir, wer seine Key Contacts sind und wie er die Kommunikation zu diesen aufrecht erhält? Wissen wir überhaupt, was unsere Kunden bewegt, wie unsere Kunden ticken? Oder sind wir es gewohnt im warmen Büro weitgehend konkrete Anfragen zu Meetings, Incentives, Kongressen und Events vorformuliert zu bekommen, die wir gerne auch im Pitch mit unseren Branchenkollegen abarbeiten?

Ich fordere seit vielen Jahren, dass wir unser Profil schärfen, nicht als verlängerter Arm des Vorstands-, Vertriebs- und HR-Sekretariats wahrgenommen werden und unsere Leistung und Existenzberechtigung nicht nur über den Preis definieren, sondern über Qualität, und vor allem Beratungsqualität generieren.

Liebe Kollegen, NIE war die Zeit so günstig unsere Kunden in der Tat zu beraten, unsere Kompetenz als Partner für eine wichtige Kommunikationsleistung in die Waagschale zu werfen, wie jetzt. Dieses kleine Virus hat unsere klar abgegrenzten Aufgaben und reduzierten Zuständigkeiten in einem globalen Würfelbecher durcheinander gewirbelt und wer in Zukunft noch weiter mitspielen will, sollte jetzt die Würfel sortieren, die auf den grünen Filz des Spieltisches fallen.

Wie? Zum Beispiel, indem wir JETZT in Kommunikation mit dem Kunden gehen, am Ball bleiben und uns nicht wegducken. Oder gehörst du zu denen, die jetzt lieber den Keller oder Dachboden aufräumen und deren Nachttisch Marie Kondo als Fachliteratur ziert?

Dank dem MICE Club durfte ich „Event Design“ mit der Methodik des „EventCanvas“ kennenlernen. Das wäre m.E. die passende Lektüre für Projektleiter, die ich nicht nur aktuell befürworten würde. Für mich ist diese Methode ein hervorragendes strategisches Event-Management-Tool, das uns Veranstaltungsplanern hilft, zielgruppenorientierte Veranstaltungen zu entwickeln, die sich auf das Generieren von Mehrwert für alle beteiligten Akteure fokussiert. Eine klar strukturierte Vorgehensweise, die m.E. auch vorerst im virtuellen Raum machbar ist.

Sie hilft die Bedürfnisse unserer Kunden zu analysieren, deren Stakeholder einzubinden und „die Botschaft“ – oder gemäß Event Design „die Verhaltensänderung“ – den Teilnehmern eines Events zu vermitteln und damit Unternehmensziele zu erreichen.

Wer sich jetzt fragt, was „die Botschaft“ oder „die Verhaltensänderung“ ist, sollte sich leider einen neuen Job suchen. Alle anderen möchte ich bitten, sich ernsthaft mit Weiterbildung auseinanderzusetzen. Event Design mag nicht der einzige Ansatz sein, der es erreicht, dass wir unseren Kunden ein gutes Branchenstanding verschaffen können, aber für mich war es das schlüssigste Modell in den letzten Jahren.

Wahnsinnig wichtig finde ich es, dass wir diese massiv frei gewordene Zeit konstruktiv nutzen. Nie wieder werden wir bessere Chancen haben, uns als Experten der Unternehmenskommunikation mit Live-Formaten zu positionieren. Nie wieder werden wir mit unserer Expertise rund um das MICE-Business unsere Existenzberechtigung so gut definieren können. Dazu zählt natürlich auch die Expertise Live-Formate vorübergehend gänzlich, ebenso wie dauerhaft ergänzend, digital zu transformieren.

Corona zeigt gerade deutlich, dass Vieles virtuell möglich ist, dass ein gut gemanagtes, temporäres oder später dauerhaftes Home Office nicht weniger Wert hat, als eine Präsenzkraft im Unternehmen. Es zeigt, dass virtuelle Tutorials nach einem motivierenden Auftakt eine Existenzberechtigung haben. Es zeigt, dass Kontaktpflege nicht immer – meine Betonung liegt auf IMMER – persönlich sein muss. Ich würde mir wünschen, dass wir angesichts der CO2-Bilanz auf eine grundsätzliche Notwendigkeit persönlicher Präsenz teilweise verzichten können.

Für alle Jünger der „Digitalisierung von Begegnung“ sei hier aber kurz erwähnt, dass wir gerade deutlich gezeigt bekommen, dass es eben nicht reicht, wenn Enkel aktuell Oma und Opa oder andere „bindungsrelevante Risikogruppen“ bei Skype oder Zoom treffen.

Meine tiefe Überzeugung ist es, dass wir Menschen haptische Begegnungen brauchen, um uns und „die Botschaft“ zu beGREIFEN!

Meine Bitte an euch alle ist: Bietet dem Kunden das, was er in seiner Einzigartigkeit verdient! Die klare Analyse seiner Einzigartigkeit und Bedürfnisse. Wir haben Jahrzehnte lang damit angegeben, dass eine Konferenz oder ein Incentive „individuell zusammengestellt“ werden. GELOGEN, wir haben fertige Puzzleteile eingekauft und verkauft, mal kam das Meer dabei raus, mal das Segelschiff, mal der Palmenstrand, mal Himmel!

Das war im Zuge des Basarhandels von MICE-Leistungen, abzuliefern bis gestern, gar nicht anders möglich, deshalb erwähne ich das ohne Vorwurf an unsere Branche. Doch nun sind die Vorzeichen anders, bewährte Strategien können einpacken, Innovationen müssen her.

Bevor ihr „Verhaltensänderung“ bei euren Kunden auf eure Fahnen schreibt, ändert euer eigenes Verhalten und: Tut es jetzt, sonst tut ihr es nie wieder, weil wir uns selbst verzichtbar gemacht haben!


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Autor: Gastautorin: Gabi Schares

Veröffentlicht am: 30.04.2020


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Gerrit Jessen,
Event Design Collective
04. Mai, 20:25 Uhr

Und hier der korrekte Link zu den Live- und Online Workshops: https://edco.global/workshops/

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Gerrit Jessen,
Event Design Collective
30. April, 21:55 Uhr

Danke an Gabi für diesen Weckruf! Wer sich für Event Deign mit der EventCanvas Methode interessiert, wir sind auf der PlanetIMEX am 11./12.5. mir zwei Workshops präsent. Weitere Sessions unter www.edco.global/trainings

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