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10 Thesen, warum Teamarbeit ins Verderben führt

Viele Menschen arbeiten lieber alleine als im Team. Trotzdem ist der Teamplayer gefragt und in fast jeder Stellenanzeige taucht neben der ominösen Belastbarkeit die Teamfähigkeit ganz oben auf. Deswegen wollen wir heute eine Lanze brechen für alle Team-Hasser, Einzelkämpfer und Solisten. Darum ist Teamarbeit überbewertet:

  1. Keiner kann „Team“: Teamarbeit muss erlernt werden. Schon in der Steinzeit hat sich der Mensch vergeblich am Mammut abgearbeitet, bis seine Kumpel ihm zur Hilfe eilten. Bis die sich aber soweit koordiniert hatten, dass jeder das Mammut angreifen konnte, war selbiges über alle Berge. Ergo – Teamarbeit ist nichts, dass wir mit der Muttermilch einsaugen. Da auch die Bildungsinstitutionen immer noch den Einzelerwerb von Wissen fördern, sitzen in den meisten Teams große Egos mit kleiner Teamkompetenz. Alle mühen sich redlich, aber das Mammut ist nach wie vor immer schon weg, wenn sich das Team gefunden hat.

  2. Viele Köche verderben den Brei: Der Klassiker – wenn alle zusammen an einer Suppe arbeiten und jeder würzt und rührt wie er möchte, können wir das Ergebnis nur unter dauerndem Rühren in den Ausguss schütten. Ohne Koordination und Regeln ist die Kommunikation in Teams aufwändig, das ganze Vorbereiten und Abstimmen braucht Zeit, Nerven und Geduld. Zu viele Meinungen prallen unkoordiniert aufeinander und führen im schlechtesten Fall (den die meisten täglich erleben) zu Handlungsunfähigkeit.

  3. Wo ist der Hut? Moderne Teams sind basisdemokratisch. Super. Was im Klartext heißt, dass alle mitreden, aber keiner entscheidet. Unklare Zuständigkeiten und elendig lange Diskussionen sind die Konsequenz aus falsch verstandener „New-Work“-Attitüde. Der Chef ist per Du und trägt Jeans, sagt lässig „Entscheidet ihr das mal, ich bin beim Tennis.“ Aber dann: Wehe, eine Entscheidung erweist sich am Ende als falsch.

  4. Tick-Tack, die Uhr: Teamarbeit ist zeitaufwändig. Siehe oben – das ganze Vorbereiten, Erklären, Abstimmen – das dauert. Alle sitzen in Meetings und verteilen Aufgaben, stimmen Prozessschritte ab, koordinieren Dienst- oder Schichtpläne. All das braucht viel Zeit. Zeit, die man lieber im Schwimmbad verbringt, wenn man allein arbeitet.

  5. Gruppenzwang: Eigentlich bin ich ganz anders, man lässt mich nur nicht. Gruppenzwang ist der Auslöser für ein Verhalten, das man normalerweise nie an den Tag legen würde, aber aus Bequemlichkeit, Schüchternheit oder weil man denkt, die anderen wüssten mehr, einfach akzeptiert und adaptiert. Es gibt so etwas wie Schwarmdummheit, die entsteht, wenn in der Gruppe der Einzelne zu denken aufhört, weil es so bequem ist.

  6. Trittbrettfahrer: Team heißt „Toll, ein Anderer macht‘s“. Den Spruch kennen wir alle. Und er ist nicht unwahr, denn die Gruppe bietet ein ideales Versteck für Drückeberger und Trittbrettfahrer, die wenig tun, aber vom Teamergebnis trotzdem profitieren. Was bei allen anderen keine guten Gefühle auslöst.

  7. Ziel voraus? Weit gefehlt. Das Nichteinhalten von Zielen ist einer der häufigsten Frustfaktoren in Teams. Während der Einzelkämpfer leicht behaupten kann, dass sein Geschwätz von gestern eben heute nicht mehr gilt, ist die Gruppe auf Verbindlichkeit angewiesen, um zu funktionieren.

  8. Spielraum für Erklärbären: Teams sind ideale Spielfelder für Wichtigtuer und Dummschwätzer. „Schau mal, Gaby, mach das doch lieber so“, heißt es dann und Gaby ist hilfloses Opfer, während die lieben Kollegen hämisch grinsen.

  9. Da hab ich‘s schneller selbst gemacht: Wir kennen und lieben sie alle, die Delegier-Deppen. Die Chefs, denen jedes erklärende Wort, jede helfende Geste schon ein Affront gegen die Wichtigkeit des eigenen und eigenständigen Tuns ist. „Gib mal her, ich mach das schon“, heißt es und da ist es ziemlich egal, dass dutzende Studien belegen: Wir lernen durch‘s Machen, nicht durchs Zuschauen.

  10. Die heimliche Macht: Es gibt in den meisten Unternehmen eine inoffizielle Kompetenzebene. Zwischen den nach außen kommunizierten Teamregeln und den nach innen gelebten herrscht meist eine große Diskrepanz. Während „die da oben“ sich beschweren, dass „die da unten“ zu blöd sind, die einfachsten Prozessschritte zu beherrschen, funktioniert „da unten“ der Laden eigentlich ganz gut, nur eben nach den eigenen Regeln. („Hör mal, du musst doch heute Abend sowieso nach Köln, kannst Du kurz bei Kunde Müller vorbei, das Band steht? Dann muss ich nicht extra ein Ticket aufmachen, das dauert wieder drei Tage.“ „Klar, mach ich.“)

Ja, so sieht es aus in unseren Teams und es hat gutgetan, das mal alles raus zu lassen, finden Sie nicht? Andererseits bewegen wir uns ja zwischen den Polaritäten und wissen daher sehr gut, dass so ein Team unglaublich viele Vorteile hat. Gerade der letzte Punkt 10 zeigt schon deutlich, was in Teams alles möglich ist, wenn echte Menschen miteinander kommunizieren und Lösungen finden für real existierende Probleme. Aber es gibt noch mehr Gutes im Team, das Wichtigste gleich vorneweg: Erst in der Gemeinschaft kann der Einzelne sich entfalten (Martin Buber: Der Mensch wird am Du zum Ich). Das Team bietet sowohl uns als Person ein großes Entwicklungspotenzial als auch jedem Projekt. Durch die unterschiedlichen Kompetenzen und Fähigkeiten, die ein gutes Team ausmachen, findet die Gruppe immer bessere Lösungen als der Einzelne.

Ein Team ist mehr als eine Ansammlung von Fachidioten, es ist die Kombination von Wissen und Können zu einem Mehrwert. Jeder macht, was er kann, und die Verantwortung kann auf mehrere Schultern verteilt werden - das entlastet. Teamideen sind besser als individuelle Ideen, weil sie auf einem breiten Fundament wachsen können – wenn man sie lässt.

Der größte Bonus der Teamarbeit ist der Rahmen, den die Gemeinschaft dem Einzelnen gibt. Anerkennung, Wertschätzung, Wir-Gefühl, all das werden wir zuhause am Schreibtisch nicht erfahren. Und doch ist es essenziell. Die Grant-Studie der Harvard-Universität, die seit über 80 Jahren die Faktoren für Glück und Unglück im Leben erforscht, hat herausgefunden, dass es eigentlich nur einen bedeutenden Faktor für ein glückliches Leben gibt: Gute Beziehungen. Deswegen können wir gerne ab und zu motzen, aber morgen gehen wir doch wieder gerne ins Büro und freuen uns auf den ersten Plausch an der Kaffeemaschine, oder?


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Bildquelle: Johanna Benz

Autor: Andrea Goffart

Veröffentlicht am: 14.11.2019


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