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Hotels & Locations, Agenturen, Themensammlung - Employer Branding

Neuanfang mit Fragezeichen!?

Ein „Weiter so“ wird es kaum geben

2019: Eine Branche im Aufwind! Ein wenig hin- und hergerissen zwischen offline und online, aber stabil wachsend und ohne große Sorgen. Dann kam Corona, eine weltweite Pandemie mit unübersehbaren Folgen. Rund zwei Jahre lang hat uns dieses Thema beschäftigt, vielen Menschen den Job gekostet und zahlreichen Unternehmen das wirtschaftliche Fundament entzogen. Erscheint nun endlich ein Licht am Ende des Tunnels?

Mit dem Wegfall fast aller reglementierenden Maßnahmen zum Mai 2022 kann die gesamte Eventbranche aufatmen. Theoretisch! Denn wer nun allerorts Jubel und Heiterkeit erwartet, sieht sich getäuscht. Die Spuren, die Corona hinterlassen hat, haben sich tief in die Veranstaltungswirtschaft eingegraben. Natürlich begegnet man der wiedererlangten „Freiheit“ zumindest mit einem lachenden Auge. Aber es gibt auch ziemlich große Wermutstropfen, die daran zweifeln lassen, dass von jetzt auf gleich wieder Normalität in einer Branche einkehrt, die mit am schwersten von der Pandemie gebeutelt war bzw. immer noch ist. Drei Aspekte sind hierbei von besonderer Bedeutung:

1. Bleibende Unsicherheit

Ist die Pandemie tatsächlich – wenn auch nicht überwunden – insofern erledigt, dass Covid-19 sich einfach in eine lange Liste bereits bestehender Infektionskrankheiten einreiht? Oder besteht im Herbst 2022 die Gefahr einer weiteren Welle, die alle möglichen Regierungen dieser Welt zu erneuten Schutzmaßnahmen veranlasst? Jeder ist inzwischen gewarnt und niemand weiß, ob nach Omikron nicht plötzlich eine weitere Virusvariante auftaucht. Und ja (zu allem Überfluss): Es herrscht tatsächlich wieder Krieg in Europa, dessen Folgen ebenfalls nicht abzuschätzen sind.

2. Langer Veranstaltungsstau

Viele Events wurden hierzulande in den letzten zwei Jahren ersatzlos gestrichen: allein über 100 Messen sowie noch mehr Kongresse, Incentives und Konzerte. Einiges wurde auch nach hinten verschoben, vor allem einmalige Veranstaltungen, die nicht im regelmäßigen Turnus wiederkommen. Wenn schon nicht im Frühjahr 2021, dann jetzt aber endgültig im Herbst 2022! Die Verträge sind geschlossen und jeder hat etwas zu verlieren. Spätestens im Sommer dieses Jahres wird es sich „knubbeln“. Ob das geplante Setting in der angedachten Location dann überhaupt noch vonstattengehen kann, ist dieser Tage mehr als ungewiss.

3. Eklatanter Personalmangel

Man kennt es aus dem Privatleben: Der Gastronomie sind während Corona die Servicekräfte davongelaufen. Dasselbe gilt für viele Geschäfte, Hotels und Einzelhändler. Die zum Teil geringfügig Beschäftigten fehlen der Branche an allen Ecken und Enden. Das gilt genauso für den Fachkräftenachwuchs, der sich in Coronazeiten weniger krisenanfällige Branchen gesucht hat.

Menschen als Mangelware

Bleiben wir beim Personalthema: Die Zukunftsperspektiven für angehende Fachkräfte in der Veranstaltungsbranche sind wie die Entwicklung der Branche ungewiss. Zwar gilt der Eventbereich nach wie vor als „hip“, aber niemand weiß genau, ob das Vor-Corona-Niveau mit moderaten, aber beständigen Wachstumszahlen wieder erreicht werden kann. Folgerichtig sind die bundesweiten Abschlüsse von Auszubildenden allein im Bereich Veranstaltungstechnik bereits von 2018 bis 2020 um mehr als ein Drittel zurückgegangen. Währenddessen beklagt der Gesamtverband Kommunikationsagenturen (GWA) aktuell rund 1.500 unbesetzte Stellen.

Wenn es um vorwiegend körperliche Tätigkeiten geht: geringe Löhne, schlechte Arbeitsbedingungen und nicht vorhandene Karrierechancen tragen neben allem anderen dazu bei, dass Veranstaltern die „Manpower“ abhandenkommt. Viele Arbeitskräfte sind ins Handwerk oder ins Baugewerbe gewechselt, wo es mehr zu verdienen und meist einen geregelten Feierabend gibt. Nicht wenige Experten rechnen deshalb damit, dass es im Veranstaltungssektor phasenweise verstärkt zur Anwerbung ausländischer Saisonarbeiter kommen wird.

Was wiederum die akademische Klasse anbelangt: Hier verlegt man sich nach rund zwei Jahren ohne wirkliche Berufsperspektive verstärkt aufs digitale Business – auf denjenigen Bereich also, der während der Pandemie zwangsweise aufgeblüht ist. Nicht jeder Digitalexperte aber ist bei einem Live-Event richtig aufgehoben, da es oft an Kompetenz und Erfahrung mangelt – ganz zu schweigen vom damit meist verbundenen Stressfaktor.

Schließlich sind noch all diejenigen zu nennen, die während Corona erhebliche finanzielle Einbußen hinnehmen mussten und demzufolge nicht selten ums wirtschaftliche Überleben kämpfen: Kleinunternehmer, Selbstständige und kleine Agenturen zählen dazu. Mit jeder Firmenpleite fehlen der Branche erfahrene und handlungsfähige Köpfe, die so schnell nicht zu ersetzen sind.

Die richtige Balance finden

Arbeitsverträge für wenige Wochen mit unregelmäßigen Arbeitszeiten schaffen weder Qualität auf Seiten der Planer noch ein Zugehörigkeitsgefühl auf Seiten der Mitarbeiter. Perspektiven sind gefragt, auch wenn das nach wirtschaftlichen Verlusten und striktem Sparkurs für viele Agenturen nicht einfach zu realisieren ist.

Dies kann z.B. im Rahmen von Fortbildungsmaßnahmen geschehen und mit sinnvollen Methoden zur vielzitierten Work-Life-Balance. Diese ist gerade in Coronazeiten merklich aus dem Tritt geraten. Die einen freuen sich über den Arbeitsplatz zu Hause, weil das lästige Pendeln entfällt und die Meetings auch via Internet effektiv sind. Den anderen fällt sprichwörtlich die Decke auf den Kopf, während Familienmitglieder mit zwei oder vier Beinen ständig ihre Aufmerksamkeit fordern.

Hier gilt es, individuelle Lösungen zu schaffen, die sich nach den persönlichen Bedürfnissen der Mitarbeiter ausrichten – auch und gerade in veränderten Zeiten, die ein „Weiter so“ wie vor der Pandemie praktisch unmöglich erscheinen lassen. Ein Ersatz der Videokonferenz durch ein Hotelwochenende steht ohnehin nicht zu erwarten. Die einen freut’s, die anderen nicht.

Natürlich aber lebt die Eventbranche weiterhin vom Faktor Begeisterung: für Formate, Inhalte und Innovationen, für persönlich Erlebtes und kollektiv Erarbeitetes. Wenn jedoch die Begeisterung von Zulieferern und Mitarbeitern verloren geht, nimmt auch der Enthusiasmus von Gästen und Teilnehmern Schaden. Gut durchdachte und flexibel angelegte Konzepte sind das eine, aber gerade Live-Events verlangen nach einem durch engagiertes Personal verkörperten Funken, der erstmal überspringen will.

Was ist noch kalkulierbar?

Bereits während der Pandemie stieg die Inflation und zahlreiche Lieferketten (z.B. für elektronische Bauteile) wurden gesprengt. Die Preise für Baustoffe, Energie und Lebensmittel stiegen teils ins Unermessliche und dann brach auch noch der Ukrainekrieg aus. Dessen wirtschaftliche Folgen sind unabsehbar. Vielerorts werden Verzicht und strikte Sparkurse gefordert, ein Umdenken der gesamten deutschen Wirtschaft scheint unumgänglich.

Verknappung und Verteuerung sind Faktoren, die viele Eventplaner gerade nach den mauen Pandemiejahren den Rotstift ansetzen lassen. Was rund zwei Jahre lang schlichtweg verboten war, scheint dieser Tage nur bedingt lukrativ: das großangelegte Live-Event. Es sieht also ganz danach aus, dass sich die Branche auf kleinere, gezielt lancierte und eher kurzfristig geplante Veranstaltungen einstellen wird. Diese werden dank hybrider Formate hoffentlich wenigstens einen viralen Effekt haben.

Halbe Belegschaften aus aller Herren Länder einfliegen zu lassen, werden sich aber selbst globale Player heutzutage mindestens zweimal überlegen. Über 100 Messen wurden allein in Deutschland in diesem Jahr verschoben oder abgesagt und damit noch mehr als im ersten Jahr der Coronapandemie. Davon sind dann wiederum auch die Anbieter vor Ort betroffen, denen erneut Aufträge wegbrechen, mit denen man 2019 noch fest gerechnet hat.

Ein drittes oder gar viertes Jahr in Folge wird sich kaum eine weitgehend regional operierende Firma leisten können. Die Überbrückungshilfen des Bundes für krisengeschüttelte Betriebe waren für die meisten – ähnlich wie in der Pflegebranche – nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein. Erst im Verlauf des Jahres wird sich zeigen, inwieweit man sich wieder konsolidieren kann. Mit dem Ukrainekrieg jedoch steht direkt die nächste globale Katastrophe ins Haus.

Niemand kann den Planern und Veranstaltern aber derzeit eine Garantie geben, wie es in einigen Monaten oder im kommenden Jahr aussehen wird. Natürlich verunsichert das die Branche und damit jeden, der irgendwie mit dazugehört: die Security-Firma, den Innenausstatter, den Shuttle-Bus-Service, den Caterer, die Spedition, den Messebaubetrieb usw. Verlässliche Planbarkeit − vor allem im Hinblick auf den eventuell (!) notwendigen Personaleinsatz − ist auch im Frühjahr 2022 nicht gegeben.

Was folgt aus alldem?

  • Live-Events werden innerhalb der MICE-Branche mittelfristig nicht mehr die bedeutende Rolle einnehmen, die sie vor der Pandemie innehatten. Hybrid angelegt waren schon vorher ein Großteil der Veranstaltungen, aber Corona hat die Verlagerung vieler Events hinein ins Internet zwingend erforderlich gemacht und damit die Entwicklung digitaler Formate auch technisch vorangetrieben.
  • Die Weltlage bleibt politisch wie wirtschaftlich instabil, wenn man sich nicht noch schlimmere Entwicklungen ausmalen möchte. Einige Länder (allen voran Russland) werden über Jahre von der Eventlandkarte verschwinden, anderen droht Ungemach wegen Gesundheits- oder Sicherheitsbedenken. Messen von Weltgeltung werden zwar auch weiterhin in Deutschland stattfinden, aber höchstwahrscheinlich in deutlich abgespeckter oder reduzierter Form.
  • Während Corona haben sich vor allem viele Service- und Hilfskräfte in andere Branchen verabschiedet. Nicht zuletzt Gastronomen und Logistiker haben aktuell Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal zu finden und ihren Angestellten eine Langzeitperspektive bieten zu können. Es steht laut Expertenmeinung demnach zu erwarten, dass vor allem große Events in den kommenden Jahren mit einer Vielzahl von Saisonarbeitern aus dem Ausland bestückt werden müssen, um diese überhaupt stattfinden lassen zu können.

Wie sieht die Zukunft aus?

Die Eventbranche ist in hohem Maße abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung bei Auftraggebern und Zulieferern. Diese ist durch Pandemie und Krieg in hohem Maße ungewiss. Zweifellos gibt es auch Krisengewinner, die verstärkt in die Organisation von Live-Events investieren könnten − es dürfte aber eine Minderheit sein. Verbindliche Rahmenbedingungen seitens der Politik, die eine langfristige Planung ermöglichen würde, sind aktuell nicht in Sicht.

Selbst wenn Corona bald überwunden sein und der Krieg ein Ende finden sollte: Es dürfte kaum etwas so bleiben, wie es noch 2019 war. Auch die Klimakrise und die daraus resultierenden Folgen dürfen in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben. So manches Jahr wird höchstwahrscheinlich noch ins Land ziehen, bis in der Branche bestenfalls wieder die Sektkorken knallen werden.

Am ehesten dürfte dies noch im Unterhaltungsbereich der Fall sein, da die Menschen (und damit potenzielle Gäste) sich nach schwierigen Zeiten verstärkt nach Abwechslung und selbstbestimmter Freiheit sehnen. Kongresse und Messen werden vor allem auf internationalem Parkett nur schwerlich und zu kaum vorhersehbaren Kosten zu planen sein. Der coronabedingte Veranstaltungsrückstau lässt zudem die interne Konkurrenz wachsen, da um qualifiziertes Personal und geeignete Locations vermutlich teils heftig gerungen werden wird.


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Bildquelle: Benmar Schmidhuber on Unsplash

Autor: Frank Brehm

Veröffentlicht am: 25.04.2022


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Kznenr,
Mkhaow
03. Dezember, 15:18 Uhr

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