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Themensammlung - Change-Kommunikation, Employer Branding

Was wir von Odysseus lernen können

Nur wer sich selbst führen kann, kann auch andere führen

Das Internet ist voll von klugen Ratschlägen und Webinaren, wie man Firmen und Mitarbeiter durch die derzeitige Krise führt. Für mich Grund genug, das Augenmerk auf das Selbstmanagement dieser Anführer zu richten. Was hilft denen, die führen? Das sind keine Roboter, sondern Menschen, die einem enormen Stress ausgesetzt sind: Ein nie gekannter Kontrollverlust, Existenzangst, Entscheidungsdruck und quälende Ungewissheit.

Schon in normalen Zeiten kann Führung eine Herkules-Aufgabe sein, denn eine gute Führungskultur zeichnet sich durch zwei Aspekte aus, die Du als Führungskraft in der Balance halten musst.

  1. Ergebnisorientierung: Führungsverhalten ist so zu gestalten, dass Mitarbeiter ihr Potenzial kontinuierlich verbessern und vor allem auch einbringen.
  2. Mitarbeiterorientierung: Führungsverhalten ist an den Bedürfnissen der Mitarbeiter auszurichten, so dass vertrauensvolle und von Respekt getragene Beziehungen entstehen.

Nun aber befindet sich die Veranstaltungs- und Messebranche, befinden wir uns alle im Vorhof zur Hölle. Die Zweifel, ob, wie und wann es weitergeht. Die drückende Verantwortung für Deine Mitarbeiter und Deine Familie.

Wie wirst Du damit fertig? Wie bleibt man Vorbild? Wie bewahrst Du Haltung? Was hilft Dir bei Deiner Führungsaufgabe? Nicht zu vergessen die Freelancer, die Unternehmer in eigener Sache sind? Fündig wurde ich bei einem sagenhaften Helden der Antike.

Odyssee ist eine Metapher für das Leben des Menschen und sein Schicksal. „Das Leben ist eine Odyssee“ lautet ein geflügelter Satz, er steht sprichwörtlich für eine beschwerliche Reise durch die Höhen und Tiefen eines Menschenlebens.

Zur Auffrischung – Homer, der große Erzähler der Antike, schuf zwei monumentale Werke: Die „Ilias“ handelt vom Krieg um Troja (wegen einer entführten Frau), die „Odyssee“ berichtet von der anschließenden 10-jährigen Irrfahrt von Odysseus über das Meer.

Er will nach Ithaka zu Frau, Sohn und Königreich. Poseidon aber, der Gott des Meeres, versucht das aus Rache zu verhindern. Pallas Athene, die Göttin der Weisheit, ist eine raffinierte Strippenzieherin, die hinter den Kulissen im Götterhimmel und auf Erden die Hand über ihren Schützling hält. Doch lassen wir unseren Helden über seine Heimfahrt selbst berichten.

Im Krieg hatte ich als Projektleiter für das Trojanische Pferd zwar meine Führungsqualitäten bewiesen, doch nun war ich völlig auf mich selbst angewiesen. Für die gefahrvolle Heimreise gab es keine Blaupause und kein Management-Handbuch aus Harvard.

Mit meiner Mannschaft geriet ich in unbeschreibliche Turbulenzen, alles scheinbar ausweglose Situationen. Jedes unserer Abenteuer erforderte eine spezielle Lösung.

Doch unter dem Druck der Gefahren entwickelte ich besondere Fähigkeiten, Ihr würdet Soft Skills sagen, die mich in letzter Minute retteten. Trotzdem, ganz ehrlich, bin ich kein strahlender Held, denn ich habe eine Menge Fehler gemacht. Auf meiner vorletzten Etappe landete ich als Schiffbrüchiger – nackt und ohne meine Gefährten, die auf der langen Reise nach und nach umgekommen waren.

Mit einigem Abstand kann ich Euch sagen, was mich am Leben hielt.

Lektion 1

Nach zehn Jahren im Trojanischen Krieg wollte ich endlich in die geliebte Heimat zurück. Doch es türmten sich beinahe unüberwindliche Hindernisse auf, denen alle Kameraden zum Opfer gefallen sind. Ich verlor mein Schiff und alles Hab und Gut. Zuletzt landete ich als Schiffbrüchiger an einer unbekannten Küste. Pure Verzweiflung packte mich, völlig erschöpft wollte ich einschlafen und nicht mehr aufwachen. Doch hier beim Volk der Phaiaken sollte sich mein Schicksal wenden.

Wie einfach wäre es gewesen aufzugeben? Zumal ich zweimal von schönen Frauen verwöhnt wurde, die mich gerne bei sich behalten hätten (dazu später mehr).

Meine Vorstellungskraft hielt das Bild meiner geliebten Frau, meines Sohnes und meines Königreiches lebendig! Sie half mir, mit eisernem Willen immer weiterzumachen!

Sie war verantwortlich für meine unbändige Zielstrebigkeit.

Lektion 2

Sieben Jahre lang hielt mich die wunderschöne Nymphe Calypso auf der Insel Ogygia fest. Einer Insel jenseits von Raum und Zeit, wo ein Tag dem anderen gleicht. Calypso war zwar die Liebe und Fürsorge selbst, doch ihr Angebot, mich unsterblich zu machen, lehnte ich schweren Herzens ab. Eines Tages erkannte ich die Gefahr, das süße Gift des „Hat ja doch keinen Zweck“. Ich überwand diese innere Lähmung.

Lektion 3

Die Begegnung mit dem Zyklopen, einem Riesen mit nur einem Auge mitten auf der Stirn, hätte beinahe das Ende unserer Reise bedeutet. Meine Gefährten und ich gerieten in der Höhle von Polyphem in Gefangenschaft. In einer Eingebung bot ich dem Riesen einen Schluck aus meinem Weinschlauch an. Polyphem fragte nach meinem Namen. Ich antwortete, dass man mich „Niemand“ nennt. Dann kredenzte ich dem Riesen einen weiteren Becher Wein. Betrunken sank Polyphem in einen tiefen Schlaf. Jetzt ergriffen meine Männer und ich einen glühenden Speer und stachen dem Riesen sein einziges Auge aus. Die anderen Zyklopen hörten sein Jammergeschrei, aber weil er immerzu brüllte: „Niemand hat mich angegriffen!“, hielten sie ihn für verrückt und zogen sich wieder zurück. Nachdem der Riese den Stein vom Eingang gerollt hatte, um seine Schafe auf die Weide zu lassen, gelang uns die Flucht. Mit dem Rücken zur Wand verlässt man leichter die gewohnten Pfade, Ihr könnt es Querdenken nennen.

Lektion 4

Meine größte Angst hatte ich bei der Vorbeifahrt an zwei auffälligen Klippen. Wir mussten an einem gefährlichen Strudel vorbei navigieren: Hier hauste Charybdis, ein Monster, das mehrmals täglich das Wasser einsaugte und wieder ausspie. Unterwegs griff uns außerdem das sechsköpfige Seeungeheuer Skylla an und verschlang sechs meiner Gefährten. Mit dem Mut der Verzweiflung stürzte ich mich in diese Gefahr, wohl wissend, dass es nicht alle überleben würden. Soweit die Selbstreflektion unseres Helden.

Was er nicht erwähnte, sind mentale Gesundheit und körperliche Fitness, die gegen den Stress helfen. Sorge unbedingt für einen Ausgleich zu den beruflichen Belastungen.

Das bringt uns zum Stichwort „Resilienz“, dem Immunsystem der Seele. Resilient ist, wer die seelisch-emotionale Widerstandskraft aufbringt, sich von Stress, Krisen und Schicksalsschlägen nicht verbiegen zu lassen, sondern das Beste aus dem Unglück macht. Resilienz ist erlernbar, beginne Deine eigene Recherche hier.

Und wie immer im Leben ist alles eine Frage der Einstellung. Dazu eine kleine Fabel.

Die Geschichte von den zwei Wölfen

Ein kleiner Indianerjunge sitzt mit seinem Großvater am Lagerfeuer und fragt ihn, warum Gefühle so unberechenbar seien. Warum er sich manchmal über alles ärgert, während er zu anderen Zeiten voller Freude ist.

Der Großvater antwortet: „Seit Anbeginn der Welt leben im Herzen der Menschen zwei Wölfe. Der eine ist weiß und strahlt wie die Mittagsonne, der andere ist schwarz wie die mondlose Nacht. Erbittert kämpfen beide miteinander. Der schwarze Wolf fletscht die Zähne, er droht und knurrt. Er ist rachsüchtig, grausam und gierig. Der weiße Wolf aber ist klug, sanft und liebevoll.“

Lange blickt der Indianerjunge in die Glut des Feuers. Schließlich fragt er leise: „Großvater, welcher der beiden Wölfe wird gewinnen?“ Darauf der Großvater: „Der, den Du fütterst!“

Keep on rockin‘!


Unser Gastautor:

Wolf Rübner gründete mit EventCampus 2002 eine auf Live-Kommunikation spezialisierte Beratung. Zu den Kunden zählen Agenturen, Messebau und Event-Dienstleister.

Beratungsfelder sind Marketing und Personal. Strategie-Workshops, Präsentations- und Führungs-Training sowie Seminare runden sein Portfolio ab.


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Bildquelle: Marionettentheater Aristo Funny | Die Odyssee

Autor: Gastautor: Wolf Rübner | Eventcampus

Veröffentlicht am: 04.06.2020


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Nicola Brunath-Lienert,
fiylo Deutschland GmbH
05. Juni, 13:45 Uhr

Ein wirklich passender Artikel zur derzeitigen Situation, besonders, wenn man sich dann noch die 7 Säulen der Resilienz anschaut.

Ich hoffe nur ganz stark, dass unsere Branche zusammen hält und wir gemeinsam an einem Strang ziehen. Wenn wir es dann noch schaffen, faire Stornolösungen für beide Parteien, bei erneutem Shut down, zu erarbeiten, können wir doch gemeinsam in die Zukunft blicken. Dieses Thema fehlt mir irgendwie noch, damit jeder die Opferrolle verlassen kann. Planer genauso, wie Anbieter.

Die 7 Säulen der Resilienz hier nochmals aufgeführt: Das Resilienzmodell, das in Deutschland eine recht weite Verbreitung gefunden hat und manchmal als das einzige existierende Modell dargestellt wird, sind die "7 Säulen der Resilienz" nach Ursula Nuber: Optimismus: Grundlage jeder Krisen- und Konfliktbewältigung ist der Glaube daran, dass Krisen zeitlich begrenzt und überwindbar sind. Optimismus beinhaltet auch die Überzeugung, auf die Ereignisse im Leben Einfluss ausüben zu können. Akzeptanz: Krisen werden akzeptiert, den Tatsachen wird ins Auge geblickt, sodass Schritte zur Bewältigung unternommen werden können. Lösungsorientierung: Es werden Lösungen für die Krise gesucht und der Versuch unternommen, die Kontrolle über das Leben zurückzugewinnen. Opferrolle verlassen: Sich wieder auf die eigenen Stärken besinnen und die Realität angemessen interpretieren. Sich wie ein "Stehaufmännchen" verhalten. Verantwortung übernehmen: Weder die Schuld auf andere schieben, noch sich selbst zum Sündenbock machen, sondern in angemessener Weise Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen. Netzwerkorientierung: Ein stabiles Netzwerk aufbauen und pflegen. Zukunftsplanung: Durch gute Vorbereitung sollen zukünftige Krisen möglichst vermieden, zumindest aber möglichst gut bewältigt werden.

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