Jetzt MICE Club-Mitglied werden oder 30 Tage kostenfrei testen

Themensammlung - Change-Kommunikation

Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Was wir von erfolgreichen Gründern lernen können

„Wie handeln und entscheiden erfolgreiche Mehrfachgründer unter Ungewissheit?“ So lautet die Ausgangsfrage eines noch relativ jungen Zweiges der Entrepreneurship-Forschung, genannt „Effectuation“, begründet von der Verhaltensökonomin Saras D. Sarasvathy von der University of Virginia.

Erfolgreiche Mehrfachunternehmer wurden dabei beobachtet, wie sie an eine komplexe Innovationsaufgabe herangehen. Dabei kamen die Forscher zu interessanten Erkenntnissen: So verlassen sich erfahrene Gründer nicht auf das klassische Management-Repertoire wie Marktforschung, Investitionsrechnungen oder gar langfristige Projektpläne - jedenfalls nicht, wenn sie echtes „Neuland“ betreten, eine wirkliche Innovation angehen, etwas erschaffen wollen, das es so noch nicht gibt.

Der Begriff „Neuland“ wurde durch Angela Merkel populär. Nassim Nicholas Taleb prägte eine Metapher für Ereignisse, die höchst selten und unwahrscheinlich sind, dabei aber teilweise extreme Auswirkungen haben können: der „Schwarze Schwan“. Beide Begriffe beschreiben den Zustand der „Ungewissheit“, unter denen echte Innovation passiert – wir wissen wenig und es passieren Sachen, die niemand vorhersehen kann.

Die Effectuation-Forschung konnte bei erfolgreichen Gründern wiederkehrende Muster beobachten: Diese fünf Prinzipien für erfolgreiches Handeln bei hoher Ungewissheit, Dynamik bzw. Komplexität möchte ich kurz erläutern, bevor ich mich der Frage zuwende, was diese Prinzipien mit erfolgreicher Zusammenarbeit in der Eventbranche zu tun haben könnten!

Effectuation-Prinzipien

Mittelorientierung

Leite Handlungsoptionen und mögliche Ziele von Deinen verfügbaren Mitteln (wer bin ich, was kann ich, wen kenne ich) ab, nicht umgekehrt! Gehe die ersten Schritte mit dem, was schon da ist. Verschwende keine Zeit damit, ein visionäres Ziel zu definieren, nur um dann frustriert festzustellen, dass die dazu notwendigen Mittel gar nicht vorhanden sind oder erst noch beschafft werden müssen. Starte mit dem, was Du hast, statt Zeit mit der Beschaffung von Mitteln (Kreditanträge, Businesspläne, Anträge für Fördermittel etc.) zu verschwenden.

Leistbarer Verlust

Handle stets so, dass Du Dir den Verlust jederzeit leisten kannst. Begrenze den potenziellen Schaden durch kleine Schritte. Verschwende keine Zeit mit Investitionsrechnungen und ROI-Kalkulationen, wenn die Zukunft nicht vorhersagbar ist! Das Schlagwort „fail fast“ ist eine Ausprägung des leistbaren Verlustes, ebenso kurze Iterationen in Scrum oder Design Sprints.

Partnerschaften

Für angehende GründerInnen heißt es oft: Get out of the Building! Gehe raus (aus dem Elfenbeinturm, aus dem Labor) und sprich mit Menschen! Sprich mit potenziellen Partnern und frage sie, ob sie etwas zum Vorhaben beitragen wollen und können. Arbeite mit jenen, die sich aktiv einbringen. Sei offen für das Engagement Deiner Partner. Verschwende keine Zeit mit Partnern, die erst noch (mit Geld) überredet werden müssen - das ist der Unterschied zwischen echten Partnern und Auftragnehmern.

Unerwartetes nutzen

Überraschungen passieren. Sei offen und nutze Zufälle aktiv als Chance für Dein Vorhaben. Das klingt vielleicht auf den ersten Blick etwas banal, es macht aber tatsächlich einen Unterschied, ob ich mich mit einer positiven Haltung ins Ungewisse wage oder Unvorhergesehenes generell als Bedrohung ansehe. Verschwende keine Zeit mit Risikomanagement für Ereignisse, die sich noch nicht einmal erahnen lassen.

Zukunft gestalten

Behalte das Steuer in der Hand: „Alles was ich mit-gestalten kann, brauche ich nicht vorherzusagen!“

So weit, so gut. Das hätte man so ähnlich auch in unserem Buch #PM2025 - Projekte. Gut. Machen. nachlesen können. Was hat das nun mit der Zusammenarbeit in der Eventbranche zu tun?

Zusammenarbeit

Meine These lautet:

Die Entwicklung und Organisation eines neuartigen Events sind wie die Gründung eines Unternehmens mit einem innovativen Produkt, das es so noch nicht gibt. Die Unsicherheit ist hoch:

  • Wird unsere Zielgruppe unser neues Format annehmen?
  • Werden wir dafür Sponsoren gewinnen können?
  • Zu welchen Preisen können wir die Tickets verkaufen?
  • Werden die Teilnehmenden vor Ort aktiv mitmachen?
  • Wie wird die Konkurrenz (re-)agieren?

Es gibt bewährte Eventformate, die auf Basis der langjährigen Erfahrungen nur noch eine geringe Ungewissheit aufweisen. Es kommt aber immer wieder vor, dass es ein gänzlich neues Format zu entwickeln und zu organisieren gilt, mit entsprechend hohen Unsicherheiten.

Und unter solchen Rahmenbedingungen kann es durchaus Sinn machen, einen Blick auf die Effectuation-Forschung zu werfen.

Mit Fokus auf das Thema „Zusammenarbeit“ in der Eventbranche möchte ich vor allem das Prinzip der Partnerschaften betonen:

Wenn es darum geht, etwas gänzlich Neues zu entwickeln, haben wir zu Beginn nur wenig Wissen, wenig Erfahrung, wenig Sicherheit. Wir können das ignorieren und so tun, als wüssten wir, was erfolgreich sein wird und uns für die einzelnen Gewerke „Erfüllungsgehilfen“ suchen.

Das kann funktionieren, ist aber in Zeiten hoher Dynamik und Komplexität mindestens hoch riskant: Wenn nun doch etwas nicht so läuft, wie wir uns das vorgestellt haben? Dann erwarten wir als Auftraggeber selbstverständlich, dass alle Beteiligten kreativ mit den Überraschungen umgehen und im Sinne des Auftrags eine gute Lösung finden werden. Doch steht das so auch in der Beauftragung? Werden etwaige Mehraufwände vergütet? Was habe ich als Auftragnehmer davon, wenn ich einen Zufall als Chance nutze und so ein noch besseres Ergebnis erziele? Und ist das überhaupt mein Auftrag, müsste sich nicht der Auftraggeber darum kümmern oder ein anderer Auftragnehmer – jedenfalls nicht ich?

Auftraggeber-Auftragnehmer-Beziehungen mit klar definierten Gewerken bzw. voneinander abgegrenzten Aufgaben und Dienstleistungen sind sehr effizient (allein durch Ausschreibungsverfahren und die Wahl des jeweils günstigsten Anbieters) und funktionieren gut, sofern das Vorhaben gut planbar ist.

Die Effectuation-Forschung zeigt, dass erfolgreiche Gründer anders vorgehen, wenn sie Neuland betreten, also ein Vorhaben starten, das nicht gut planbar erscheint, sondern Kreativität und Engagement erfordert: Sie suchen engagierte Partner und agieren mit diesen gemeinsam, auf Augenhöhe. Echte Partner können Einfluss auf das gemeinsame Vorhaben nehmen, partizipieren am Misserfolg wie am Erfolg und sind daher motiviert, dieses gemeinsam zum Erfolg zu bringen.

Partnerschaften allein sind noch keine Erfolgsgarantie und die Schwierigkeit liegt sicher vor allem auch darin, die passenden Partner zu finden. Doch darauf kann man sich vorbereiten und hilfreiche Methoden einsetzen. Jedenfalls ist dies ein Weg, den erfahrene Gründer einschlagen, um unter Ungewissheit erfolgreich zu sein.

Partnerschaft ist hier übrigens in beide Richtungen gemeint: Wir sprechen nicht mehr von Auftraggeber und Auftragnehmer und das bedeutet auch, dass der ursprüngliche Auftraggeber sich im Falle einer echten Partnerschaft nicht komplett zurückziehen kann, sondern als einer der Partner involviert bleibt.

Was meinen Sie? Sind Partnerschaften auf Augenhöhe, wie die Effectuation-Forschung sie bei erfolgreichen Gründern beobachtet, eine Option für erfolgreiche Zusammenarbeit bei der Entwicklung und Organisation innovativer Events?


Das könnte Sie auch interessieren:


Bildquelle: Hugo Göldner, CDLX

Autor: Gastbeitrag: Heiko Bartlog

Veröffentlicht am: 09.05.2019


Verfasse einen Kommentar

No_profile_picture
endeami,
endeami
19. August, 19:55 Uhr

Priligy Rischi stromectol online canada Zithromax And Flagyl

×

×