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Meinung, Agenturen, EventTech

Vorkommunikation, Erwartungshaltung, Community

Teil 1 der Nachbesprechung des BrandEx Awards 2021

Nach meinem Überblick zum BrandEx Award 2021 löse ich mein Versprechen ein und gehe detailliert in sieben Artikeln auf die Award-Verleihung ein. Das geschieht mit dem Anspruch, in den Dialog zu treten mit allen, die dazu etwas Konstruktiv-Kritisches beitragen möchten. Dazu gehört die Fehleranalyse, aber auch der Blick nach vorn, gespickt mit Verbesserungsvorschlägen. Daher teile ich jeden Artikel in die Beobachtung und die Konsequenz auf. Es entsteht daraus eine Art Leitfaden für Live Shows im Online-Event-Zeitalter. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich biete Ansätze, Gedanken, Ideen und Visionen und der Rest ist – wie man so schön sagt – up to you!

Die Seite im Freundebuch hat diesmal meine Kreativ-Kollegin Natalie Driesnack ausgefüllt und ihre Inspirationen in diesen Artikel einfließen lassen.

BEOBACHTUNG

Zwei Hashtags sollt ihr sein, denn auf einen können wir uns nicht einigen, auch wenn man uns wirklich oft gesagt hat, warum das sinnvoll ist… So ging es los mit #BRANDEX und #BRANDEX21. Das fiel kaum auf, weil Vorkommunikation generell eher klein geschrieben wurde. Verzicht schien ohnehin wichtig zu sein. Verzicht auf Community-Building, Verzicht auf Netzwerkerweiterung online und sogar Verzicht auf Eintritt. Watt nix kostet, is auch nix. Oder?

Ich hatte auf LinkedIn gelesen, dass man sich auf der BrandEx-Homepage registrieren soll. Dort wurde man zu vidivent, dem Berliner Online-Event-Portal von Nikkus geschickt. Wer eine intuitive Menüführung mit Ablauf des Events und Support erwartete, wurde enttäuscht. Die Bestätigungsmail unterschied nicht einmal die Geschlechter. Herr/Frau Weber blieb also zwangsläufig gespannt, denn der „Abend unter Freunden“ wurde bei LinkedIn von 18-21 Uhr und bei vidivent mit „90 kurzweiligen Live-Minuten“ angekündigt. Gäste-Info und Ansprache also mäßig.

Um welche Gäste es sich eigentlich handeln sollte, wurde nicht klar, denn es gab keine Zielgruppenansprache. Nirgendwo fanden sich Informationen dazu, wen man willkommen heißt, für wen die Show interessant ist oder warum man sich das anschauen sollte. Es wirkte alles schon hier wie „nur für Freunde“ im Sinne von „nur für Eingeweihte“. Vorweggenommen: Es gab in der Show eine Simultanübersetzung ins Englische. Wurde das Event denn auch im Ausland beworben? Gab es Werbung, Hinweise und Kommunikation auf Englisch in anderen Ländern? Oder ist es mit der EN-Auswahl auf der BrandEx-Homepage schon getan mit der Internationalität?

Warum wurde generell nicht nach allen Regeln der Online-Kunst informiert mit Video-Teasern, Infotexten und persönlichen Einladungen? Stattdessen sah man nur das in knalligen Farben gehaltene, mit einem Löwenmensch verzierte Logoplakat mit dem Slogan „>> 03 | Die Kraft“: Wenn die Kommunikationsmaßnahmen eines Kommunikationsverbands nicht kommunizieren, was kommuniziert werden sollte, läuft etwas schief in puncto Kommunikation, lieber FAMAB.

Unter dem Titel DIE KRAFT – erinnerte nebenbei bemerkt an den Titel „Superkraft Kreativität“ des ADC Festivals 2021 – hätte man wirklich kraftvolles Entertainment einer starken Branche zeigen können. Eine Branche, die sich gegen eine Menge Widrigkeiten mit aller Kraft aufbäumen muss. Kraft hätte so viele großartige Anknüpfungspunkte geboten, denn es gibt viele kraftvolle Akteure, die aus eigener Kraft große Dinge für ihre Unternehmen und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten. Dieser Community-Gedanke kam leider weder im Vorfeld noch in der Show auf.

Chat und Social Wall auf vidivent funktionierten nicht. Auf beide Tools wurde mehrfach in der Show verwiesen, denn sie sollten inhaltlich genutzt werden. Bei YouTube und Facebook lief der Stream übrigens auch. Dort konnte man chatten – das war nicht zwingend von Vorteil, weil so viel schief ging. Häme, Entsetzen und Wut über verschwendete Zeit schlugen nicht selten durch. Wir fragten uns, wofür wir uns via vidivent registriert hatten, wenn crossmediales Community-Building ohnehin nicht geplant war und unsere Erwartungen in Bezug auf Interaktion nicht erfüllt wurden.

Ach ja, die Show selbst fing gegen 18:22 Uhr an. Kurz vorher, gegen 18:11 Uhr, löste Moderator Aljoscha Höhn die eingeblendete Grafik „Ein Abend unter Freunden verzögert sich ein wenig. Bleibt dran!“ ab und begrüßte (noch) gut gelaunt: „Ja ihr Lieben, ich darf euch recht herzlich willkommen heißen, zum BrandEx Award 2021 und ihr kennt es: Ein BrandEx Award, der pünktlich anfängt, wäre kein BrandEx Award. Also, alles ganz entspannt. Keine Panik auf der Titanic. Wir müssen gerade noch den einen oder anderen Stecker stecken. Wir haben Spektakuläres vor und um das zu realisieren, gebt uns bitte noch‘n paar Sekündchen. Es sind grad ganz viele fleißige Helfer im Einsatz (Niesen o.ä. im Hintergrund) und dann geht es gleich auch tatsächlich los mit einer fantastischen Show.“ Damit wurde die schon zum ersten Mal enttäuschte Erwartungshaltung noch einmal neu entfacht…

KONSEQUENZ

Gerade die crossmediale Kommunikation bietet ein Füllhorn an Möglichkeiten, eine Community zu bilden. Viel hilft nicht immer viel, zu wenig bewegt aber definitiv nichts. Vor allem, wenn die Stränge der gewählten Kanäle nicht wieder zusammenlaufen. Kommunikation muss verständlich sein. Nach Inhalten suchen zu müssen macht höchstens Sinn, wenn damit ein Gewinnspiel verbunden ist.

Eine kraftvolle Community, Freunde, Gleichgesinnte suchen sich einen Platz zum Austausch. Also geben wir ihnen eine Plattform, ein Online-Freundebuch, auf der und in dem sie sich treffen können. Es geht nicht nur um plakative Werbung, die einen seelenlos aus der Blase der immer gleichen Stock-Foto-Landschaften anspringt. Kreativität im Community-Building und Relevanz im Pre-Show-Content sind gefragt. Der junge Netzwerker von Heute, ist vielleicht die preisgekrönte Legende von Morgen.

Durchdachte Nachkommunikation schafft zusätzlich Vertrauen und Perspektiven. Warum nicht die Preisträger nach der Show interviewen: Was sind eure nächsten Projekte? Was bedeutet die Auszeichnung für euch? Für welche realisierte Vision möchtet ihr als nächstes einen Preis gewinnen? Es gibt genug verfügbare Formate: Videoblogs, Podcasts, Blogs, Artikelreihen. Alles ist möglich in einem Erscheinungsabstand, der die Zielgruppe nicht überstrapaziert aber bei der Stange hält.

Für die Zukunft sehe ich Kommunikation, von denen gemacht, die mal die Fußstapfen derer ausfüllen sollen, die wir aktuell noch Kreativgötter nennen. Und vielleicht entstehen mit neuen Leuten auch ganz neue Fußstapfen und Wege. Warum keine Kreativkooperationen mit treibhaus 0.8, das sich mit dem Elitenachwuchs der Konzeptioner rühmt? Oder ein landesweiter Pitch der Berufsschulen für die neue Kampagne zum BrandEx Award 2022? Solche realen Projekte motivieren den Nachwuchs und lassen die alten Hasen das junge Gemüse verstehen, BEVOR es zerkocht wurde.

Positiver Nebeneffekt, wir schaffen eine Community, die mit uns wächst. Quantitativ und qualitativ.

Hey, Branche, wir müssen reden! Oder wie einst Tony Mono, der Comedy-Starproduzent bei 1LIVE, zu sagen pflegte: „Daaaaas geht besser!“ Weil das hier keine Comedy ist, weil es uns alle angeht, weil es unsere Zukunft als Branche ist, lasst uns sprechen. Wir freuen uns auf eure konstruktiv-kritischen Stimmen bei den nächsten Schritten. Stay tuned – für Teil 2 von 7.


Tobias Weber ist Geschäftsführender Gesellschafter bei der format:c live communication GmbH und ein Teil der Live Streaming-Komplettlösung StreConFlex. Als Regisseur und Creative Director verantwortet er zahlreiche Filmprojekte, Theaterproduktionen und Corporate Events für Weltmarken. Seine Erfahrungen umfassen außerdem crossmediale Konzepte, TV-Produktionen, Road-Shows und Kampagnen sowie Online-Events.


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Bildquelle: format:c live communication GmbH

Autor: Gastautor: Tobias Weber | format:c live communication GmbH

Veröffentlicht am: 19.03.2021


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