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EventTech

Digital, hybrid, virtuell - Teil 2

Herausfordernd und doch nicht neu!

Was ändert sich wirklich bei der Transformation von Präsenz-Events zu digitalen oder hybriden Events? Im ersten Teil meiner Reihe bin ich auf die Faktoren Kamera, Location, Eröffnung und Aktionen der Protagonisten eingegangen. Selbstverständlich sind das nicht alle relevanten Aspekte, heute Teil 2.

Programm

Präsenz-Events leben in großem Maße von der Zeit, die Teilnehmer vor Ort verbringen können. Eine geschmückte und eindrucksvoll ausgeleuchtete Eventlocation verbreitet eine Atmosphäre, die ein solches Event für einige Teilnehmer zum Jahres-Highlight machen kann. Man trifft alte Freund, Businesspartner, tauscht sich aus, kommt aus dem Arbeitsalltag raus und knüpft neue Kontakte. All das fällt beim digitalen Event weg. Das Geklapper von Kaffeetassen zu den Teilnehmern nach Hause zu bringen und Möglichkeiten zur digitalen Interaktion zu schaffen, ist möglich, aber durch die Inszenierung eines digitalen Events nicht zu kompensieren. Aus 3D wird 2D.

Die Empfehlung in diesem Punkt ist die Konzentration des Programms. Während ein Präsenz-Event häufig den ganzen Tag (ggf. sogar mit Abendveranstaltung) dauert, ist es äußerst unattraktiv 7-8 Stunden vor dem Bildschirm zu verbringen und Fachvorträgen o.ä. zu folgen.

Auch hier lohnt sich der Vergleich zum Fernsehen: Es gibt kaum ein Format, das länger als vier Stunden dauert und das hat Gründe. Es ist leicht zu verstehen, dass eine gleichbleibende Aufmerksamkeit über solch einen langen Zeitraum nicht möglich ist. Ergo: Weniger ist mehr. Durch Konzentration auf den eigentlichen Inhalt der Kommunikation, das „Eindampfen“ des Events, wird die Aufmerksamkeit des Publikums auf die Hauptsache gebündelt. Je mehr Wert auf die Gestaltung des inhaltlichen Kerns gelegt wird, um so effektiver die Vermittlung. Wenigstens das sollte gelingen, wenn schon der soziale Effekt von Firmenevents weitgehend verloren geht.

Speaker/Protagonisten

Präsenz-Events leben häufig von einem hoffentlich abwechslungsreichen und spannenden Bühnenprogramm. Im Transformationsprozess vom Präsenz-Event zum digitalen Event müssen sich auch sämtliche Protagonisten wie Moderatoren, Speaker, Künstler, Musiker etc. der neuen Situation anpassen. Dem Endprodukt ist nicht geholfen, wenn die einzelnen Speaker – wie bisher – ihr Programm durchziehen und sich dabei abfilmen lassen. Regelmäßig treten TV-Persönlichkeiten auf Präsenz-Events auf, aber selten tauchen Event-Speaker in TV-Produktionen auf. Der Grund? Ein sicheres Auftreten auf Bühnen von Präsenz-Veranstaltungen ist das eine, ein sicherer und attraktiver Umgang mit einer Studioumgebung und Kameras ist etwas anderes. Hier geht es auch nicht nur um das „flirten“ mit der Kamera. Der Transport von Botschaften funktioniert nicht mehr „nur“ über das gesprochene Wort (z.B. Vortrag) und eine Visualisierung im Hintergrund (z.B. Powerpoint-Slides). Botschaften verbreiten sich bei digitalen Events in erster Linie über das Kamerabild. Wer sich vom TV-Programm inspirieren lässt, wird merken, dass es nirgends Speaker gibt, die mit Powerpoint-Slides einen Vortrag halten und dabei – wie nun häufig praktiziert – in einer vorgespeicherten „Picture-in-Picture“-Einstellung abgefilmt werden. Der Grund? Das ist keine attraktive Art und Weise, Botschaften durch einen Bildschirm zu verbreiten. Hier muss von sämtlichen Protagonisten ein Umdenken erwartet werden dürfen, was womöglich für Protagonisten, die sonst volle Auditorien gewöhnt sind, nicht einfach sein wird.

Technik

Ton, Leinwandzuspielung, Licht. Das sind die drei etablierten Größen technischer Ausstattung bei Präsenz-Events. Jeder kennt sich mehr oder weniger detailliert damit aus, oder kann sich zumindest vorstellen, wofür sie da sind und welcher Aufwand sich hinter der Gewährleistung eines technisch einwandfreien Events versteckt.

Schauen wir auf das digitale Event: Natürlich fällt die neue Größe der technischen Ausstattung auf: Die Kamera. Aber welche Art (z.B. Steadi-Cam, Kran-Kamera, Go-Pro)? Welche Kamera bietet sich für welches Ziel an? Wie viele brauche ich? Wie viele von der jeweiligen Art brauche ich? Bemannt oder unbemannt? Wo stelle ich sie hin? Was muss ich beim Licht beachten, wenn Kameras ins Spiel kommen? Das sind nur einige Fragen, die bei der Notwendigkeit eines Einsatzes von Kameras direkt auftauchen. Es zeigt sich schnell, dass Kameras den anderen Faktoren der technischen Ausstattung den Rang der Priorität ablaufen.

Das Kamerabild entscheidet fast im Alleingang über Erfolg und Misserfolg eines Events. Sie, und jene, die sie führen und bedienen, tragen die Verantwortung für die Augen der Zuschauer. Der Satz klingt pathetischer als er sein müsste, ist aber absolut wahr. Sie entscheiden, was wahrgenommen wird und was nicht. Im Zusammenhang mit digitalen Events muss jede Entscheidung so getroffen werden, dass sie dem Produkt der Kamera hilft bzw. ihm zumindest nicht schadet.

Die Technik bei digitalen/hybriden Events ist ein entscheidender Faktor. Auch wenn man kein Techniker ist, sollte man sich die wesentlichen Begriffe und technischen Zusammenhänge aneignen. Werde ich darauf angesprochen, antworte ich: „Ich spreche diese Sprache nicht gut, aber ich verstehe sie.“ Meiner Meinung nach wird diese Fähigkeit mit jedem Tag wichtiger. Denn wie wir schon gemerkt haben, entscheidet sich die Qualität eines Events an der Kamera und ihrer Führung.

Wer denkt, damit sind alle Neuerungen abgedeckt, der irrt. Abgeschaut vom Fernsehen, haben sich allerlei Grafiken, Kleinst-Videos, o.ä. längst in unserem Sehverhalten verankert. Die Stichworte sind: Corner-Logo, (Video-)Opener, (Video-)Bumper, Bauchbinden, etc. Sie sind unverzichtbarer Bestandteil eines guten und vor allem angenehm zu verfolgenden digitalen Events.

Neben all den neuen technischen und inhaltlichen Aspekten muss auch auf vermeintlich Unscheinbares Augenmerk gelegt werden. Was macht ein gut überlegter Hintergrund mit dem Bild (und damit der gesamten Kommunikation)? Welche neuen Aufgaben entstehen, welche neuen Rollen müssen innerhalb des Teams besetzt werden und was genau ist die (neue) Rolle des Eventregisseurs? Dazu mehr in Teil 3.

To be continued…


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Autor: Gastautor: Tim Nievelstein

Veröffentlicht am: 04.11.2020


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