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Hotels & Locations

Alles beim Alten? Alles neu?

Tiefsinntauchen im Meeting- & EventBarometer 2014

Uns geht es richtig gut. Sollte es zumindest, folgt man den Ergebnissen des 2014-er Meeting- & EventBarometers, durchgeführt vom Europäischen Institut für TagungsWirtschaft (EITW). Die Deutschlandstudie des Kongress- und Veranstaltungsmarktes findet mehr Nachfrage und mehr Angebot. Seit 2009 sind die Besucherzahlen kontinuierlich gestiegen. Die Zahl der Veranstaltungen lag mit 3,01 Millionen Tagungen, Kongressen und Events 1,3% über dem Ergebnis des letzten Jahres.

Immer höhere Budgets

Außerdem verfügen die Veranstalter, Unternehmen, Verbände und Agenturen laut Studie über immer höhere Budgets. Hatten 2006 noch knapp ein Viertel (23%) aller Veranstalter mehr als 500.000 EUR zur Verfügung, geben für 2013 bereits 45% aller Organisatoren an, mehr als eine halbe Million EUR für ihre Tagungen, Kongresse und Events ausgeben zu können. Auch der Ausblick ist positiv: 79% der deutschen und 84% der internationalen Veranstalter gehen davon aus, dass ihr Budget im Jahr 2014 im Vergleich zu 2013 steigt oder gleich bleibt. Bei den Veranstaltern nehmen also Events im Gesamtbudget eine massiv steigende Bedeutung ein.

Das überrascht, denn auf der Agenturseite herrscht immer noch die „der-Letzte-macht das-Licht-aus“-Stimmung. Wenn man nicht von Krise spricht, so doch von „neuer Realität“. Bei den Unternehmen regiere der vom Einkauf geschwungene Rotstift und Compliance mache sowieso jede Kreativität kaputt. Für diese Stimmung sprechen auch die freien Antworten der Anbieter und Veranstalter zum Thema „Herausforderungen für die Veranstaltungsbranche“. Kostendruck, Preisdumping, Konkurrenz und Überangebot zählen demnach zu den zentralen Themen der Veranstaltungsbranche.

Einfach nur feiern?

Wohin also gehen die wachsenden Budgets der Veranstalter? Zumal laut Studie die Zahl der beruflich motivierten Veranstaltungen (Kongresse, Tagungen usw.) stetig abnimmt, die der Events dagegen kontinuierlich zu. 2013 waren 54,5% der Veranstaltungen beruflich motiviert, immerhin 45,5% waren Events.

Kann es vielleicht sein, das der neue Wohlstand der Deutschen („Die neuen Statussymbole der Deutschen “, F.A.S vom 20.7.14, Seite 18) die Nachfrage im Bereich der Events steigert? Schon Kindergeburtstage Vierjähriger werden als Statussymbol im Schlosshotel zelebriert und gefeiert wird auch ohne Anlass – aus Lebensfreude halt.

Wir können nur mutmaßen, warum gefeiert wird. Aber wir wissen wo: Die Tagungshotels und Eventlocations konnten 2013 deutliche Zuwächse in den Teilnehmerzahlen verbuchen, obwohl es in diesen Betriebsarten einen Rückgang der Veranstaltungen gab. Bei den Veranstaltungszentren wiederum gingen die Teilnehmerzahlen zurück, dafür waren diese 2013 maßgeblich für den Gesamtzuwachs der Veranstaltungen verantwortlich. Sie konnten mit einem Zuwachs von fast 14% den Rückgang der Veranstaltungen bei den Tagungshotels und Eventlocations ausgleichen.

Veranstaltungszentren behaupten ihren Platz

Hier sollten Planer und Verantwortliche aufmerken, denn diese Zahlen bestätigen, dass die oftmals als Subventionsverschwendung kritisierten Investitionen in Veranstaltungszentren durchaus Wirkung zeigen. Vor allem für die Durchführung lokaler Veranstaltungen wird häufig auf Veranstaltungszentren zurückgegriffen, deren zusätzliche Bedeutung für die Region damit unterstrichen wird.

Allerdings finden nach wie vor rund zwei Drittel der Veranstaltungen in Tagungshotels statt. Was einleuchtet, wenn man sich die Veranstaltungsgrößen anschaut: Zwei Drittel aller Veranstaltungen in Deutschland haben maximal 100 Teilnehmer. Kleine Meetings und Seminare dominieren nach wie vor den deutschen Tagungsmarkt. Fließen genau hier die üppigen Budgets an den Agenturen vorbei, weil in dieser Range die Rechnung „Hotel + Raum = erfolgreiche Veranstaltung“ immer noch aufgeht? Auf jeden Fall eine Steilvorlage für Portalanbieter, wenn sie an dieser Stelle mit effizienten Buchungstools unterstützen.

Wohin geht die Reise? In der Studie erkennt man zum einen die steigende Bedeutung internationaler Veranstaltungen (Zunahme seit 2006 um fast 10 Mio. Teilnehmer). Im internationalen Vergleich punktet Deutschland mit guter Erreichbarkeit, Professionalität und Perfektion. Lustig (oder traurig?), dass unsere Kunden uns toller finden als wir selbst! Bei der Imagebewertung fällt auf, dass die Anbieter sich unter anderem in puncto Preis-Leistungs-Verhältnis und Hotelangebot weitaus selbstkritischer einschätzen als ihre Kunden es tun. Hier könnte der Weltmeister etwas mehr Selbstbewusstsein zeigen, gerade im internationalen Markt, denn dort wird zukünftig noch mehr Nachfrage herkommen – davon sind Anbieter und Veranstalter gleichermaßen überzeugt.

Was bewegt die Branche?

Neben den Fakten zum Veranstaltungsmarkt 2013 hat die Studie auch wieder aktuelle Themen behandelt. Sie knüpft dabei an die 2013 vom GCB und seinen Partnern veröffentlichte Studie „Tagung und Kongress der Zukunft“ an.

Über die Priorisierung der Trendthemen müssen sich Anbieter und Veranstalter dringend einigen, z.B. im Bereich Technik: Während die Datensicherheit auf Veranstalterseite mit 56,3% sehr hoch priorisiert wird, sehen nur knapp über 36% der Anbieter Handlungsbedarf. Aber – diese finden das Thema Technologie viel wichtiger als die Veranstalter. Höret die Kunde: Erst Daten sichern, dann mit technischen Gadgets beeindrucken. Vielleicht liegt auch hier der Grund – oder der Hund – begraben, warum das Gros der Veranstalter (noch) selten Event-Apps einsetzt?

Dann ist da der Bedarf nach neuen Veranstaltungsformaten – aber welche sollen das sein? Barcamps werden als ein Beispiel genannt. Auffällig ist, dass die Veranstalterseite hier höheren Bedarf zeigt als die Anbieterseite. Das würde ja bedeuten, dass die Kunden durchaus Lust auf Neues haben, es aber nicht angeboten bekommen? Aus den Freitextangaben der Befragten lässt sich jedenfalls ableiten, dass die Nachfrage nach „customized events“ (Veranstaltungen nach fokussierten Kundenwünschen) steigt. Da geht noch was!

Go-Go-Gadget-o Green

Auch beim Thema Nachhaltigkeit ist noch Platz nach oben, denn Nachhaltigkeit ist nicht nur „grün“ und Corporate Responsibility hört nicht beim CO2-Konzept auf. Die Verantwortung der Veranstalter und der Anbieter für Umfeld und Umwelt muss sich auch in Werten und in Themen wie Ehrlichkeit im Umgang mit Kunden und Mitarbeitern äußern. Gerade hier kann noch ganz viel passieren, wenn Unternehmen beginnen, Veranstaltungskonzepte zu etablieren, deren Sinn und Zweck auch morgen noch existiert.

Mehr Verantwortung für (gute) Mitarbeiter fordert auch Prof. Dr. Michael-Thaddäus Schreiber, Autor der Studie und Geschäftsführer des EITW:

„Wir sind eine Branche die Veranstaltungen für Menschen anbietet – wir brauchen deshalb sehr gute Mitarbeiter sowohl von der Servicementalität als auch von der fachlichen Ausbildung her.“

Und zum Schluss bleibt zu vermelden, dass unsere Branche mindestens in einem Bereich ganz weit vorn liegt. Während andere über das Thema Frauenquote diskutieren, können wir uns zurücklehnen! Der Frauenanteil von 16,2% in Führungspositionen liegt deutlich über dem deutschen Durchschnitt von 6% (laut Women-on-Board-Index 2014). Besonders hoch ist mit 30,3% der Anteil weiblicher Vorstände in den Agenturen. It's a womens' world!

Die Studie

Das Meeting- & EventBarometer, die jährlich durchgeführte Studie zum Veranstaltungsmarkt, untersucht als einzige in Deutschland sowohl den Kongress- als auch den Eventbereich. Initiatoren sind der Europäische Verband der Veranstaltungs-Centren e.V. (EVVC), das GCB German Convention Bureau e.V. und die Deutsche Zentrale für Tourismus e.V. (DZT).

Die ManagementInfo zum Meeting- & EventBarometer 2014 finden Sie hier zum Download.


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Autor: Andrea Goffart

Veröffentlicht am: 31.07.2014


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