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Destinationen

Kompetenz schlägt Bekanntheit

Destinationsmarketing mit Branchenbezug: ein erfolgreiches Modell

Wo soll sie stattfinden, die nächste Jahrestagung? Wo soll es hingehen zum nächsten Kongress? Die Suche und Auswahl des geeigneten Austragungsorts in der Event- und MICE-Branche basiert oft genug auf „weichen“ Kriterien. Hier soll es bekanntermaßen besonders schön sein und dort besonders günstig. Über Destination A weiß der Kollege viel Gutes zu berichten, während die Webseite von Destination B richtig gut aussieht.

Wer seine Eventplanung an derartigen Kriterien festmacht, zieht nicht in Bedacht, dass viele Destinationen noch erheblich mehr zu bieten haben. Man nennt sie gerne Hubs oder Cluster, die Kooperationen zwischen den Convention Bureaus und regionalen Unternehmen, Verbänden, Forschungseinrichtungen und Experten. So liefern viele Destination – die man vielleicht gar nicht auf dem Schirm hat – neben passenden Tagungsstätten und Rahmenprogrammen noch viel mehr: Wissenstransfer mit Branchenbezug, Einblicke in Innovationszentren, Speaker mit dem richtigen Background und Führungen mit echtem Mehrwert.

Genauer hinschauen lohnt sich

Natürlich gibt es Städte, die dank einiger Großkonzerne direkt mit bestimmten Branchen in Verbindung gebracht werden: in Deutschland zum Beispiel Stuttgart mit Automotive, Frankfurt mit Finanzen oder Köln mit Medien. Darüber hinaus gibt es auf nationalem und internationalem Parkett aber zahlreiche weitere Destinationen, die durch die Bildung von Kompetenzclustern ihr Vermarktungspotenzial in den letzten Jahren beträchtlich erhöht haben.

Natürlich müssen auch hier die grundsätzlichen Rahmenbedingungen stimmen, was etwa Budget, Erreichbarkeit, Verfügbarkeit und Raumangebot angeht. Aber es lohnt sich durchaus nach Destinationen Ausschau zu halten, die den unternehmenseigenen Bedürfnissen bestmöglich entsprechen und damit vom einfachen Gastgeber zum gewinnbringenden Partner werden. Nicht zu vergessen, dass sich hinter einem Kompetenzcluster fast immer ein Pool lokaler Sponsoren verbirgt, der im Rahmen der Eventkooperation mit besonderen Deals aufwartet.

Potenzial erkannt, Tagung gebucht

Werfen wir einmal einen beispielhaften Blick über den großen Teich, nach Knoxville in Tennessee. Hervorgegangen aus einem militärischen Forschungsprojekt hat hier die Karbonfaser ihren Ursprung. In der keine 200.000 Einwohner zählenden Stadt befinden sich immer noch mit die besten und größten Forschungseinrichtungen der Branche und demzufolge die weltweit beeindruckendsten 3D-Drucker, die bereits rollende Autos produziert haben. Das über das Convention Bureau der Stadt vermarktete und vermittelte Wissen macht das kleine Knoxville zum internationalen Zentrum einer hochspezialisierten Branche und hält Jahr für Jahr Leitmessen zu diesem Werkstoff der Zukunft ab.

Auch das schottische Glasgow hat seine Eventnische gefunden – und zwar im Bereich Automobilität der Zukunft. Kaum jemand wird die alte Industriestadt mit Hightech in Verbindung bringen, aber die Strathclyde-Universität gehört zu den weltweit führenden Forschungseinrichtungen im Bereich der Elektrotechnik. Durch die Bildung eines Kompetenzclusters mit dem City Marketing Bureau war es Glasgow letztlich möglich, regelmäßige Konferenzen des „Institute of Electronic & Electrical Engineers“ (IEEE) in die Stadt zu holen, darunter die international bedeutende „Vehicular Technology Conference“ (VTC). Dieser Erfolg ist maßgeblich auf das Engagement nur eines Mannes zurückzuführen: des Universitätsprofessors Dr. James Irvine. Dieser hat nicht nur seine Beziehungen spielen lassen, sondern auch lokale Sponsoren mit ins Boot geholt und dabei kräftig die Werbetrommel für Glasgow gerührt.

Das mag nun alles recht einfach klingen, aber hinter Erfolgen wie diesen steht natürlich ein ausgeklügelter Masterplan. Dieser sieht die Förderung der regionalen Wirtschaft genauso vor wie das zielgerichtete Destinationsmarketing über ausgewiesene Kompetenzfelder. Am Ende geht es um das Schaffen einer Win-Win-Situation für alle Beteiligten, wobei effizientes Networking natürlich eine entscheidende Rolle spielt. Branchenspezifisches Know-how und dessen Vermarktung helfen vielen Städten, die eben nicht über die große Hoteldichte oder einen internationalen Bekanntheitsgrad verfügen, dennoch eine angemessene und wichtige Rolle im Eventbusiness zu spielen.

Einmal den Atlas aufschlagen bitte

Der Kompetenzfelderatlas des German Convention Bureaus (GCB) bietet Eventplanern in Deutschland eine erste Orientierung bei der branchenspezifischen Destinationsauswahl. Die sechs Branchenschwerpunkte sind hierbei jedoch nur grob umrissen: Chemie & Pharma, Energie & Umwelt, Finanzdienstleistungen, Medizin & Gesundheit, Technologie & Innovation sowie Transport, Logistik & Verkehr.

Sie mögen dennoch überrascht sein, wenn nicht automatisch Deutschlands Großstädte das Rennen machen, sondern Ihnen je nach Kompetenzfeld Braunschweig, Freiburg, Kassel oder Weimar als geeignete Tagungsorte empfohlen werden. Für den Kongressplaner mag sich das in doppelter Hinsicht auszahlen. Denn kleinere Städte locken mit günstigeren Preisen und bieten dank installierter Kompetenzcluster einen branchenspezifischen Mehrwert.


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Bildquelle: German Convention Bureau e.V. (GCB)

Autor: Frank Brehm

Veröffentlicht am: 16.03.2017


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