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Meinung

Wiedersehensfreude first – Hygienekonzept second

IMEX Frankfurt ohne frische Impulse

Ja, die Wiedersehensfreude auf der diesjährigen IMEX war groß: Nach zwei ausgefallenen Terminen in 2020 und 2021 fand die größte internationale Branchenmesse der MICE-Branche wieder in der Messe Frankfurt statt. Und als man am Dienstagmorgen die Halle 8 betrat, war alles irgendwie wie früher: Die bekannten Messestände von GCB und den an Deutschland grenzenden Destinationen strahlten dies- und jenseits der - doppelt so breit angelegten - roten Teppichläufer, so als wäre nichts gewesen. Erst bei genauerem Hinsehen fielen die großzügig an den Hallenrändern aufgestellten Trennwände und Networking-Bereiche auf.

Neue Impulse? - Fehlanzeige!

So sehr die Freude überwog, dass diese Branchenmesse endlich wieder als Präsenzveranstaltung abgehalten wurde, so ernüchternd ist die Erkenntnis, dass sich die Messe exakt so wieder präsentiert wie vor der Pandemie: Da fällt die Messe zwei Jahre in Folge aus und der Veranstalter hat nichts, rein gar nichts an seinem Messekonzept geändert? Und es ist ja nicht so, dass die Messe mit ihrem Hosted Buyer-Konzept und dem stupiden Festhalten am Appointment-System nicht schon vor Corona gekriselt hätte. Selbst zahlreiche Aussteller rieben sich verwundert die Augen: Wie auf einer Zeitreise in die Vergangenheit zeigte sich die Messe im ewig gleichen Trott.

Gähnende Leere in den Gängen

In der zum Ende der Messe hin veröffentlichten Pressemitteilung der IMEX war von Kameradschaft und Feierlaune die Rede. So ließ sich CEO Carina Bauer den Satz entlocken: „Die Messe war von einem Gefühl der Kameradschaft und des Feierns durchdrungen, und es fühlte sich gut an, wieder zusammen in einem Raum zu sein." Allzu viele Besucher waren indes nicht in der Messehalle zu finden: Auf den breiten Gängen machte sich den gesamten Messezeitraum über gähnende Leere bemerkbar. Selbst die IMEX ließ verlauten, dass die ausstellenden Unternehmen nur 80 % der Fläche von 2019 belegt hätten. Laut Veranstalter nahmen dennoch 9.000 Teilnehmer an der IMEX teil, von denen rund 3.000 sogenannte Einkäufer gewesen sein sollen - immerhin 1.000 weniger als in 2019.

Diese Zahlen verblüffen, waren doch so gut wie keine Einkäufer - sprich Planer aus Unternehmen und Agenturen - anwesend. Kein Wunder: Denn nach zwei Jahren Pandemie werden in diesen Sommermonaten alle aufgelaufenen Veranstaltungen eiligst nachgeholt. Und der allerorten gravierende Personalmangel versetzt eine völlig überhitzte Branche in Hitzewallungen, bevor spätestens im Herbst bei aktuell schon stark steigenden Fallzahlen ein erneutes Runterfahren der Branche befürchtet wird. Welcher Planer hat da Zeit für einen Messebesuch?

Hygienekonzept second

Wiedersehensfreude ja - und Kerstin Wünsch von der tw mag mir verzeihen, dass ich ihre Headline abgekupfert habe - aber den zweiten Teil der Medaille ließ sie ebenso unerwähnt wie der Veranstalter jegliches - wahrnehmbares -Hygienekonzept vermissen ließ: Als hätte die Branche in den vergangenen zwei Jahren nicht genug gelitten, so vermisste man bei der Durchführung der Veranstaltung jegliche Sensibilität für das Thema Hygienesicherheit. So ploppte nur wenige Tage nach der Messe in meiner Corona-Warn-App die rote Risikowarnstufe auf: „Begegnungen an drei Tagen mit erhöhtem Risiko", für den Zeitraum 31. Mai bis 2. Juni 2022. Und dabei hatte ich mich nicht an den teils exzessiven Parties auf und nach der Messe beteiligt. Da wurde am Stand von Brüssel ausgiebigst gefeiert und auf den Tischen getanzt, während sich alte Bekannte innigst umarmten und Küsschen verteilten. Auch wenn wir im Alltag unsere Freiheit wieder zurückgewonnen haben, muss dann die größte Branchenmesse nicht mit ihrer Vorbildfunktion vorangehen und sensibler agieren? Denn: Eine Branche, die während der Pandemie so händeringend nach Wahrnehmung und Aufmerksamkeit gerungen hat, verliert so jede Glaubwürdigkeit und kann angesichts dieser Bilder nicht ernstgenommen werden.

Hinter vorgehaltener Hand ließ nahezu jeder Messebesucher durchblicken, wie groß die Angst vor dem Herbst und erneuten Einschränkungen für die Branche ist. Denn eines ist klar: Auf Dauer wird die Branche nicht überlebensfähig sein, wenn sie nur das Sommerhalbjahr bespielen kann. Für den BOE-Termin im Januar 2023 lässt das nichts Gutes erahnen...


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Bildquelle: IMEX Group

Autor: Dominik Deubner

Veröffentlicht am: 12.06.2022


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