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Themensammlung - Inszenierung/Konzeption, Meetingarchitektur

Eros und Resonanz – Verbundenheit ermöglicht neue Formate

micelab:explorer II mit einem mutigen Forschungsfeld

„Unsere These lautet: Jede Veranstaltung ist ein gesellschaftlicher Mikrokosmos und spiegelt wider, wie Menschen leben, lernen, kommunizieren und einander begegnen“, sagt Gerhard Stübe, Leadpartner des micelab:bodensee. Alles, was uns im „Großen Ganzen“ begegnet – uns im Leben, im Job, im Lernen, Wachsen und Gestalten unserer Welt antreibt oder behindert, begegnet uns auch im Kleinen – in Meetings, Events und Kongressen.

Verstehen wir also – Goethe sei Dank –, was die Welt im Innersten zusammenhält, dann verstehen wir auch, wie lebendige Veranstaltungen funktionieren. Mit dieser These und dem großen Gefühlspaar „Angst und Vertrauen“ startete 2016 das Forschungsmodul des micelabs, der micelab:explorer, um mit Impulsgebern unterschiedlichster Disziplinen Ideen für Praktiker der MICE-Branche zu entwickeln. Gemeinsames Ziel: Eine lebendige und nachhaltige Veranstaltungskultur.

Nach dem großen Thema „Angst und Vertrauen“, was kommt als nächstes? Das habe ich mich gefragt, als ich kürzlich die Rezension des ersten micelab:extract schrieb – lässt sich das toppen?

Und jetzt – Resonanz und Eros?

Super! Resonanz und Eros als Forschungsfelder des zweiten micelab:explorer, das vom 17. bis 20. Oktober auf Schloss Marbach am Bodensee stattfand.

Treffend gewählt finde ich den Resonanzbegriff für Veranstaltungskonzepte, die lebendig sind und berühren. Denn sie verbinden, erzeugen Klang und brauchen Widerhall. Stelle ich mir Resonanz vor, fühle ich sie im Bauch, zum Beispiel den Klang einer Trommel. Wissen Sie, was ich meine, dieses tiefe Gefühl? Resonanz berührt und öffnet für Gefühle. Da kommt Eros mit ins Spiel, ein Verlangen, Neues zu schaffen.

Wenn der Funke überspringt: Resonanz verbindet

Resonanz kann nur entstehen, wenn ein Klang auf etwas trifft – einen Resonanzkörper. Wenn Schwingungen eine Gesamtheit ergreifen und in Einklang bringen. Resonanz und Eros – durch diese geschickte Themenwahl des zweiten micelab:explorer wird auch sichtbar, was Veranstalter falsch machen können: Klang (oder Getöse) zu erzeugen und keinen Resonanzkörper zu schaffen.

Der Resonanzkörper? Die Teilnehmer, die Macher – alle Anwesenden bilden ihn gemeinsam. Wie bildet er sich? Um diese Frage aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, waren neben 13 Forschern auch drei Impulsgeber vor Ort: Der Resonanzpädagoge und Motivationsforscher Wolfgang Endres, der Musikvermittler und freischaffende Künstler Johannes Voit sowie der Wildnispädagoge und Personal Trainer Chris Schorpp.

Verbundenheit als Basis für Resonanz

„Resonanz ist kein esoterischer Vorgang, sondern Ausdruck für lebendige Beziehungen“, betont Tina Gadow, Veranstaltungs¬dramaturgin und Kuratorin des micelab:bodensee. Beziehungen und Verbundenheit entstehen aus einer Gemeinschaft. Diese erwächst – die Forscher konnten es feststellen – schon durch Kleinigkeiten, zum Beispiel durch morgendliches Singen und Bewegen sowie durch den gemeinsamen Tagesablauf.

Nicht verbiegen, sondern der Natur folgen

„Als Teil der Natur ist der Mensch vom natürlichen Tagesablauf abhängig“, sagt Wildnispädagoge Chris Schorpp. Auch menschliche Lernprozesse gehorchen der natürlichen, archaischen Abfolge von Inspirations-, Aktivitäts-, Entspannungs- und Reflexionsphasen. Nutzt man diese natürliche Abfolge, lassen sich Erfahrungen fest verankern. Fehlen Phasen, wie z.B. Ruhezeiten, führt das schlimmstenfalls zum Erlahmen von Resonanz, erklärt Schorpp und leitete die Forscher an, auf die eigenen Sinne zu vertrauen. So können wir in Resonanz treten, auch – übertragen auf die MICE-Branche – die Sinne anderer berühren und Gelerntes vertiefen.

Resonanzverstärker versus Resonanzkiller

Wie Resonanz verstärkt werden kann, zeigte Resonanzpädagoge Wolfgang Endres an einem Beispiel: Ein Rätselbild blendete er kurz ein und blieb die Antwort zunächst schuldig. „Die Motivation wächst, wenn ein Bedürfnis verstärkt wird.“ Die Zuhörer schenkten dem Redner volle Aufmerksamkeit und blieben in Resonanz, bis dieser das Rätsel auflöste. Da Gruppen aus vielen Lerntypen zusammengesetzt sind, sollten Veranstaltungen verschiedene Resonanzkanäle – Bauch, Kopf, Intellekt – ansprechen, regte Endres zudem an.

Plädoyer für Unvoreingenommenheit

Musikvermittler Johannes Voit machte den Forschern verständlich, wie wichtig eine offene, unvoreingenommene Hörhaltung ist: „Dann ist Resonanz möglich, auch wenn ein Musikstück letztlich nicht gefällt“, so Voit. Feststehende Meinungen sind Resonanzkiller, lautete die Erkenntnis, weil sie verhindern, dass wir uns auf etwas oder auf jemanden einlassen. Jede Bewertung erzeugt eine Mauer, die Resonanz verhindert. Negative Bewertungen lösen zudem Gegenwehr aus und das Gegenüber begibt sich in die innere Emigration. Diese Erkenntnis gilt übrigens auch für Beziehungen zu Kollegen, Mitarbeitern, Kunden und Geschäftspartnern.

Erst mal zuhören und dann eine Haltung entwickeln. Ergebnisse nicht vorwegnehmen und verstehen, dass „richtig“ und „falsch“ Konzepte sind, die nur für einen selbst funktionieren, die aber keine Allgemeingültigkeit haben. Zu so einer mutigen Haltung gehören auch Zeit und Muße, sagt Wolfgang Endres und ergänzt: „In Resonanzbeziehungen gibt es weder Gewinner noch Verlierer.“

Offenheit und Mut – auch wieder ein großes Gefühlspaar! Vielleicht ein Thema für den dritten micelab:explorer? Ich finde es auf jeden Fall richtungsweisend, sich der Macht von Emotionen anzunehmen und sie für eine nüchterne Branche, die sich viel zu oft noch an technische Gadgets und „haben wir immer so gemacht“ klammert, zugänglich zu machen. Da die Erkenntnisse des zweiten micelab:explorer in die kommenden Lernmodule und in ein zweites micelab:extract einfließen, bin ich schon sehr gespannt auf weitere Details und freue mich auf die Lektüre.


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Autor: Andrea Goffart

Veröffentlicht am: 09.11.2017


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Janstessef,
Janstessef
18. März, 22:09 Uhr

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