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Technik-News

Spieglein, Spieglein …

Ein Blick in den ersten virtuellen Schminkspiegel

Im Frühjahr dieses Jahres hat der Kosmetikriese L‘Oréal das Startup ModiFace zu hundert Prozent übernommen. Das kanadische Unternehmen gilt als einer der Vorreiter bei der Entwicklung von Einsatzmöglichkeiten von Augmented Reality (AR) im Bereich der Kosmetikindustrie. 2009 in Toronto gegründet, hat ModiFace Technologien entwickelt, die in der Lage sind, reale Gesichter mit virtuellem Make-up zu zeigen. Man darf sich das ungefähr wie eine Online-Brillenanprobe mit statischem Foto vorstellen, nur eben ungleich komplexer und realistischer, in Echtzeit und dynamisch. Rund 70 Ingenieure, Forscher und IT-Experten arbeiten kontinuierlich an der Weiterentwicklung eines Systems, in dessen Mittelpunkt der Scan essenzieller Gesichtsparameter steht. Über 30 Patente hat ModiFace inzwischen zur Marktreife gebracht. Klar, dass L’Oréal mit seinen 34 internationalen Marken da hellhörig geworden ist.

Mit einem Klick zum neuen Look

Folge der Fusion ist der AR-basierte Service „Live Makeup Consultation“. Hierbei wird es der Kundin ermöglicht, einen Schönheitsberater per Videochat auf dem Smartphone oder Tablet zu konsultieren. Doch das ist erst der Anfang: Der Berater platziert die passenden oder gewünschten Produkte während des Chats virtuell auf dem Gesicht der Kundin. Zeitgleich werden diese im unteren Bildschirmbereich angezeigt und lassen sich mit nur einem Klick in den Warenkorb legen und bestellen. Das gilt für Lidschatten, Rouge, Wimperntusche und Lippenstift genauso wie für Haarprodukte. Nach dem Kauf erhält die Kundin dann noch Tipps für die richtige Anwendung der gewählten Schönheitsprodukte.

Lubomira Rochet, Chief Digital Officer bei L’Oréal, sagt zu dem Projekt sinngemäß: „Wir freuen uns sehr, ModiFace als Teil der L’Oréal-Familie zu begrüßen. Sie werden das neue Herz unserer digitalen Forschung und Entwicklung. Gemeinsam wollen wir Pionier sein einer neuen Art und Weise, Schönheitsprodukte zu entdecken, auszuwählen und zu bestellen.“ Parham Aarabi, Gründer und CEO von ModiFace geht sogar noch einen Schritt weiter und sieht sein Unternehmen nach der Übernahme durch einen finanzstarken Konzern bestens dafür gerüstet, auch bahnbrechende Entwicklungen in Richtung Künstlicher Intelligenz (KI) voranzutreiben. Am Unternehmenssitz von ModiFace nahe der Universität von Toronto wird sich vorläufig nichts ändern.

Zunächst beschränkt sich die „Live Makeup Consultation“ auf die Zusammenarbeit mit der Marke NYX Cosmetics, die L’Oréal im Jahr 2014 akquirierte. Da deren Marketingstrategie hauptsächlich social-media-basiert ist, verspricht man sich hiervon zahlreiche virale Effekte und ein experimentierfreudiges, digital bereits aktives Kundensegment.

Der Mensch strebt nach Veränderung

Was im Bereich Kosmetik als richtungsweisend gelten darf, wird sich natürlich auch anderweitig etablieren. AR findet bereits in vielen Bereichen der Eventbranche Anwendungen, die sowohl pragmatisch-organisatorischer als auch erlebnisorientiert-individueller Natur sind. Alles, was den Kunden oder Besucher virtuell dabei unterstützt, sich selbst in einem neuen Licht zu sehen oder den eigenen Typ zu verändern, stößt schon von allein auf breites Wohlwollen, da hier an die menschliche Neugierde appelliert wird. Vieles im Bereich AR steht und fällt dabei mit einem funktionellen Mehrwert, der – wie das Beispiel ModiFace zeigt − über reine „Spielerei“ hinausgeht. Wie realistisch die virtuellen Make-ups tatsächlich für den Betrachter wirken, lässt sich an dieser Stelle nicht hundertprozentig sagen. Durch die technische Weiterentwicklung jedenfalls wird die Brücke vom „unterhaltsamen Experiment“ zur „nutzenbringenden Kundenerfahrung“ eher früher als später geschlagen. Und vielmehr als die rein virtuelle Realität schafft AR die Brücke zum Alltag und den realen Bedürfnissen des Menschen.


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Bildquelle: L'Oreal

Autor: Frank Brehm

Veröffentlicht am: 27.09.2018


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