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300 Jahre Karlsruhe – 500 nachhaltige Events!

Die Vergangenheit feiern und die Zukunft im Blick haben

Eine ganze Stadt feiert Geburtstag, und das einen ganzen Sommer lang. Zum 300. Jahrestag ihres Bestehens lässt Karlsruhe unter dem Motto „KA300“ die Sektkorken knallen. Mit über 500 Veranstaltungen dürfte die zweitgrößte Stadt Baden-Württembergs zwischen dem 17. Juni und 27. September zum überregionalen Tourismusmagneten werden. Martin Wacker, Geschäftsführer der verantwortlichen Stadtmarketing Karlsruhe GmbH, verspricht sich viel vom anstehenden Festivalsommer: „Das Programm ist so vielfältig wie die Stadt und ihre Menschen. Auf jeden Fall wird es ein echtes Bürgerfest.“

Solch eine Großveranstaltung sorgt natürlich nicht nur für einen hohen Besucherandrang, sondern auch für einen enormen Bedarf an Energie, Verpackungsmaterial, Wasser und Nahrungsmitteln. Die KA300-Macher haben sich deshalb auf die Fahnen geschrieben, in Karlsruhe den ersten deutschen Stadtgeburtstag zu begehen, der das Prädikat „Green Event“ trägt. Um solch ein ehrgeiziges Vorhaben umsetzen zu können, bedarf es einerseits der Festlegung klarer Richtlinien und andererseits der richtigen Kooperationspartner.

Karlsruhe hat Großes vor

Zunächst aber ein kurzer Blick zurück in der Zeit: Karlsruhe ist wohl die bekannteste am Reißbrett entworfene Stadt Deutschlands und nach ihrem Gründer, Karl-Wilhelm, dem Markgrafen von Baden-Durlach, benannt („Karls Ruhe“). Die Grundsteinlegung des Karlsruher Schlosses, der damals neuen Residenz des Landesfürsten, am 17. Juni 1715 gilt dann auch als Geburtstag der Stadt. Folgerichtig fällt auf den Tag genau 300 Jahre später der Startschuss für KA300.

Binnen vier Tagen waren die 40.000 Tickets für die große Eröffnungsshow samt Feuerwerk vor dem Karlsruher Schloss am 20. Juni ausverkauft. Faszinierende Licht- und Farbspiele werden dann bis zum Abschluss der Feierlichkeiten am 27. September jeden Abend auf die Schlossfassade projiziert werden. In den dazwischenliegenden 15 Festivalwochen erwartet die Stadt ein Veranstaltungsmarathon, der täglich am frühen Morgen beginnt und spät in der Nacht endet. Das Programm beinhaltet Ausstellungen, Konzerte, Führungen, Workshops, Theateraufführungen, Mitmachaktionen, Partys, Lesungen, Diskussionsforen, Modenschauen, Installationen u.v.m.

Eingebettet in KA300 ist das Wissenschaftsfestival EFFEKTE vom 27. Juni bis zum 2. Juli. Unter dem Motto „Zukunft der Stadt – Stadt der Zukunft“ sind dabei über 100 Einzelveranstaltungen vorgesehen, in denen wichtige Gesellschafts- und Umweltthemen zur Sprache kommen und einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Dieses und andere Beispiele zeigen, dass der Nachhaltigkeitsgedanke im Rahmen von KA300 nicht nur institutionell umgesetzt, sondern auch anschaulich vermittelt und lebhaft diskutiert werden soll.

Prima Klima in Karlsruhe: KA300 als Green Event

Wie bereits erwähnt, soll der Karlsruher Festivalsommer der erste klimafaire Stadtgeburtstag in Deutschland werden. Da bei einer Großveranstaltung wie dieser zwangsläufig große Mengen CO2 anfallen, wurde bei der Planung und Umsetzung aller Maßnahmen besonderer Wert auf die Aspekte Umweltschutz und Nachhaltigkeit gelegt. Insgesamt hat die KA300-Initiative sechs Bereiche identifiziert, die im Fokus des Ökokonzeptes stehen: Energie, Abfall, Mobilität, Catering, Marketing und Bilanzierung.

Für die gesamte Stromversorgung der Veranstaltung wird ausschließlich der Stromtarif „NatuR“ der Stadtwerke Karlsruhe verwendet, der für die hundertprozentige Nutzung rein regenerativer Energiequellen steht. Auf die nächtliche Anstrahlung von naturbelassenen Parkanlagen aus ästhetischen Gründen wird zur Schonung der Fauna verzichtet. Pavillon und Bühne werden ausschließlich mit energiesparenden LEDs beleuchtet, die zudem eine geringere Lockwirkung auf Insekten haben als herkömmliche Leuchtmittel. Spezielle, orangefarbene „Festivaltonnen“ dienen derweil der Müllentsorgung. Um die Wertstofftrennung müssen sich die Besucher nicht selbst kümmern, da diese von Recyclingbetrieben übernommen wird und somit besonders effizient vonstattengeht.

Allein die An- und Abreise der Teilnehmer führt auf Großveranstaltungen zu fast der Hälfte aller CO2-Emissionen. KA300 hat daher einen Anfahrtsgenerator im Internet installiert, über den jeder Besucher seine Anreise möglichst klimafreundlich planen kann. Entwickelt wurde das „Green Mobility Widget“ in Zusammenarbeit mit der Karlsruher Firma raumobil. CO2-Belastung sowie Anfahrtskosten und Reisezeit werden hierbei in Relation zueinander gesetzt. Desweiteren sind im Online-Tool alle Fahrradausleihstationen und neu installierte Stellplätze in Karlsruhe aufgelistet, um die innerstädtische Mobilität umweltfreundlich zu erleichtern.

Auch in Sachen Catering haben sich die Planer von KA300 etwas Besonderes einfallen lassen. Mindestens die Hälfte des offiziellen Speisenangebotes wird aus rein vegetarischen Gerichten bestehen. Regionale Herkunft und saisonale Verfügbarkeit stehen ebenso ganz oben auf der Agenda. Die Firma Pacovis garantiert mit ihren zu 100 % recyclebaren Food-Packaging-Produkten außerdem die Abkehr von Plastikbesteck und Styroporgeschirr. Nähere Infos zu diesem Cradle-to-Cradle-Prinzip gibt es auf der KA300-Homepage. Im Bereich Marketing und Merchandising setzt KA300 ausschließlich auf Printmaterialien, die auf Recycling-Papier gedruckt werden, sowie bei Baumwolltaschen und -shirts auf Produkte, die den Ökotex-Standard erfüllen.

Schließlich gilt es, den entstehenden CO2-Ausstoß entsprechend zu kompensieren, da dieser sich natürlich nicht gänzlich vermeiden lässt. Hierbei wird das Stadtmarketing von den Stadtwerken Karlsruhe beim Erwerb von Klimazertifikaten unterstützt, die Umweltschutzprojekten zugutekommen, die ohne finanzielle Unterstützung nicht realisierbar wären.

Im Mittelpunkt des Geschehens: der KA300-Pavillon

Als Herzstück des Festivalsommers hat der KA300-Pavillon am 24. März 2015 Richtfest im Schlosspark gefeiert. Hier gehen rund 80 % aller offiziellen Programmpunkte des Festivalsommers über die Bühne. Bereits vor der Fertigstellung hat die 16 Meter hohe Holzstabkonstruktion für reges Interesse und reichlich Gesprächsstoff gesorgt. Die architektonisch beeindruckende, transparente Bauweise soll symbolisch für die Liberalität und Weltoffenheit der Stadt Karlsruhe stehen. Dies war bereits „Gründervater“ Karl-Wilhelm wichtig, der sich unter anderem für unvoreingenommene Gastfreundschaft und freie Religionsausübung einsetzte. Der Pavillon ist somit ein gelungenes Beispiel dafür, wie ein architektonisches Konzept gesellschaftliche Werte widerspiegeln kann.

Im Erdgeschoss des Pavillons mit Bühne, Café und Infothek finden bis zu 600 Gäste Platz. Bei gutem Wetter lassen sich zudem die Seitenwände öffnen und geben so den Blick aufs Schloss frei, was bei den beiden oberen, als Aussichtsplattform konzipierten Ebenen, ohnehin gegeben ist. Insgesamt wurden für das temporäre Bauwerk 338 Kubikmeter Brettschichtholz in Stab- und Plattenformat verbaut. Als markanteste Elemente fungieren dabei die insgesamt 170 schräg stehenden Stützen aus Fichtenholz. Für das Danach ist bereits gesorgt: „Die Rasenfläche wird renaturiert, die eingesetzten Materialien bleiben in der Region und aus dem Holz entstehen bleibende Erinnerungen für die Bürgerinnen und Bürger, etwa im Rahmen der Stadtmöblierung“, so KA300-Projektgeschäftsführer Martin Wacker.

Für Entwurf und Bau zeichnet das renommierte Architekturbüro J. Mayer H. aus Berlin verantwortlich, das für seine internationalen Projekte schon mit zahlreichen Preisen belohnt wurde. Anlässlich des Karlsruher Pavillons kehrte Firmenchef Jürgen Hermann Mayer in seine baden-württembergische Heimat zurück, um eine offene Begegnungsstätte zu schaffen.


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Bildquelle: J. Mayer H. / KA300, Robert Fuge / KA300

Autor: Frank Brehm

Veröffentlicht am: 21.05.2015


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