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Tausend Mal ist nichts passiert …

Frisch erschienen: der „Trendreport Veranstaltungssicherheit“

Das neu gegründete R.I.F.E.L. (Research Institute for Exhibition and Live-Commmunication) mit Sitz in Berlin hat sich in einer seiner ersten großangelegten Studien dem Thema Sicherheit auf Großveranstaltungen gewidmet. Zahlreiche Analysen, Umfragen und Experteninterviews mündeten im jüngst veröffentlichten „Trendbericht Veranstaltungssicherheit“.

Gründer des R.I.F.E.L. sind der Kommunikationsverband FAMAB und Vertreter der Technischen Universität Chemnitz. Der Führungsriege gehören zudem zahlreiche Influencer aus der MICE- und Eventbranche an. Der gesamte Report kann unter www.rifel-institut.de oder rechts in unserem Downloadbereich kostenlos heruntergeladen werden. Wir fassen an dieser Stelle die wichtigsten Aussagen des Papiers zusammen und äußern uns darüber hinaus „in eigener Sache“ zu diesem vieldiskutierten Thema.

Große Veranstaltungen erfordern hohe Sicherheitsstandards

Großveranstaltungen wie Messen, Festivals, Konzerte, Public Viewings oder Sportevents haben in der jüngeren Vergangenheit immer größere Bedeutung erlangt. Sie bieten Unternehmen jeder Couleur ein optimales Umfeld für Markeninszenierung und gehören für Gäste und Zuschauer zu ihrem Lebensalltag dazu. Die Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland lässt jetzt schon grüßen.

Gerade bei Großevents von öffentlichem Interesse spielt das Thema Sicherheit eine immer wichtigere Rolle. Unglücke wie auf der Loveparade 2010 in Duisburg und diverse Terroranschläge in Europas Metropolen haben dazu beigetragen, bestehende Sicherheitskonzepte zu überdenken und neu zu definieren. Nicht zuletzt die mediale und politische Präsenz hat gleichzeitig zu einer deutlichen Sensibilisierung des Themas innerhalb der Bevölkerung geführt. Intensive Einlasskontrollen, nicht übertragbare Tickets und mitunter lange Wegstrecken werden zugunsten erhöhter Sicherheit akzeptiert und in Kauf genommen.

Vor diesem Hintergrund sollte man meinen, dass auch die Planer und Organisatoren von Großveranstaltungen der Sicherheit höchste Priorität einräumen. Der R.I.F.E.L.-Report jedoch kommt zu einem anderen Schluss. Denn vielerorts herrscht große Unsicherheit im Umgang mit immer neuen Vorschriften und Regelungen, die sich zudem regional stark unterscheiden. Hier mangelt es häufig schlichtweg an Expertenwissen, was die praktische Umsetzung theoretischer Vorgaben angeht. Noch dazu wird der Sicherheitsaspekt in vielen Eventbudgets zugunsten einer möglichst spektakulären Inszenierung häufig immer noch sehr stiefmütterlich behandelt. Für den Gast wiederum bedeutet das: Nicht jede Veranstaltung, die z.B. dank zahlreicher Sicherheitskräfte oder weitläufiger Absperrungen „bombensicher“ wirkt, ist es am Ende auch.

Sicher ist sicher … aber längst nicht selbstverständlich

Optimales Risikomanagement sollte sich im Vorfeld immer mit dem Worst Case-Szenario befassen, das heißt z.B. der möglichen Sturmflut oder dem denkbaren Terroranschlag. Mag die Eintrittswahrscheinlichkeit auch noch so gering sein: Hier fängt Sicherheitsdenken an. Im Ernstfall steht am Ende nämlich immer die Schuldfrage, und die kann jeden Veranstalter teuer zu stehen kommen. Wesentlich teurer jedenfalls als das rechtzeitige Hinzuziehen von Brandschutzexperten oder Sicherheitsgutachtern.

Für diesen Ernstfall „bedarf“ es ja auch nicht unbedingt einer Explosion oder eines Tsunamis. Mitunter „reicht“ eine rutschige Treppe, eine versperrte Tür, ein defektes Kabel oder ein deplatzierter Kerzenleuchter, um ein Live-Event im Nachhinein zu ruinieren. Natürlich berichten die Medien nicht über verstauchte Knöchel, beschädigtes Equipment, abwesende Ersthelfer oder unzumutbares Gedränge. Auf Facebook oder Twitter aber wird dies garantiert zum Thema und mehr als heiß diskutiert werden. Und auch die Regressansprüche seitens geschädigter Besucher, Mitarbeiter oder Unternehmen werden nicht lange auf sich warten lassen.

Das wissen inzwischen auch nicht wenige Agenturen, die sich das Thema Sicherheit mittlerweile als Alleinstellungsmerkmal auf die Fahnen geschrieben haben. Das wissen ebenso einige Softwarehersteller, deren Computersimulationen jede denkbare Lenkung von Besucherströmen bis hin zur Evakuierung prognostizieren können. Den Markt durchdrungen haben sie laut R.I.F.E.L.-Report bislang noch nicht. Das verhindert oftmals allein der Zeit- und Kostendruck, der umso größer wird, je näher eine Veranstaltung rückt. Der Ermessensspielraum in Sicherheitsfragen bleibt damit nach wie vor groß.

Nur ganzheitliche Konzepte führen zu größtmöglicher Sicherheit

Natürlich wünscht sich niemand, dass bei einer Veranstaltung jemand Schaden nimmt. Um einem ganzheitlichen Sicherheitsansatz aber gerecht zu werden, bedarf es einer Vielzahl an Maßnahmen, die die unterschiedlichsten Bereiche betreffen: Brandschutz und Fluchtwege, Architektur und Technik, Unfallverhütung und Gesundheitsschutz, Einlasskontrolle und Besucherstromlenkung, Information und Kommunikation. Jeder Profi weiß das natürlich, und dennoch scheitert es oft an Fragen der Zuständigkeit, der Priorisierung, der Komplexität und des Austauschs.

Wobei dieses „Scheitern“ natürlich nicht bedeutet, dass auf einem Event auch etwas Schlimmes passiert. Es bedeutet lediglich, dass mit einer unzureichenden Risikoeinschätzung die Gefahr steigt, dass etwas geschehen könnte. Es liegt am Ende wohl in der menschlichen Natur und ebenfalls im ökonomischen Interesse begründet, dass man sich mit Eventualitäten nicht gerne auseinandersetzt. Sie würden Ihr Geld doch auch lieber in ein neues Smartphone investieren, das Ihnen viel Freude bereitet, als in einen Rauchmelder, der am Ende niemals anschlägt!?

Pragmatisch betrachtet geht es also darum, dem Thema Sicherheit auf Großveranstaltungen soviel Aufmerksamkeit zu schenken, dass im Schaden- oder Unglücksfall keinem der Verantwortlichen ein berechtigter Vorwurf gemacht werden kann. Bis heute verschlingen die Prozesse rund um die Loveparade 2010 in Duisburg hohe Summen, ohne dass ein Schuldiger ausgemacht werden konnte. Im Ergebnis werden am Ende wohl alle draufzahlen: Behörden, Agenturen, Veranstalter und Organisatoren. Ganz zu schweigen vom emotionalen Schaden, den die Angehörigen der Opfer davongetragen haben.

Was bestimmt die Sicherheit von morgen?

Im „Trendreport Veranstaltungssicherheit“ sind die wichtigsten Entwicklungen und Herausforderungen abgebildet, die künftig auf die Planer und Organisatoren von Großveranstaltungen zukommen werden:

  • Durch die terroristischen Anschläge in der Vergangenheit hat das Sicherheitsbedürfnis auf Großveranstaltungen deutlich zugenommen. Bereits heute sind ab einer Veranstaltungsgröße von 1.000 Besuchern detaillierte Sicherheitskonzepte zu erstellen. Experten gehen davon aus, dass diese Schwelle in naher Zukunft auf 500 Besucher sinken wird. Dies wird insbesondere Off-Locations und Freiflächen betreffen, die nicht spezifisch als Veranstaltungsorte ausgewiesen sind.
  • Nicht zuletzt aufgrund des öffentlichen Interesses stehen vor allem externe Risiken wie Terrorgefahr oder Unwetter in der Sicherheitsdiskussion. Wesentlich höher ist jedoch die Eintrittswahrscheinlichkeit von Sach- oder Personenschäden, die auf interne Faktoren zurückzuführen sind. Im ureigenen Interesse der Veranstalter sollten Aspekte wie Brandschutz, Crowd-Management, Bühnentechnik oder Fluchtwegeplanung dieselbe Priorität genießen.
  • Die Analyse möglicher Schadenszenarien im Sinne eines zuverlässigen Risikomanagements ist der Ausgangspunkt solider und wirksamer Sicherheitskonzepte. Die fortschreitende Digitalisierung bietet neue Möglichkeiten zur Sicherheitsplanung, Gefahrenverhütung und Ernstfallreaktion, etwa durch Computersimulationen im Vorfeld oder sensorgesteuerter Überwachungssysteme während der Veranstaltung selbst.
  • Neue Technologien führen andererseits zu bisher nicht bekannten Risiken, wobei insbesondere die Absturzgefahr von Flugdrohnen zu nennen ist, die wiederum auch zu Terrorzwecken missbraucht werden können. Darüber hinaus wird es darum gehen, die digitale Eventumgebung bestmöglich vor unbefugtem Zugriff und Hackerangriffen zu schützen.
  • Das richtige Verhalten im Ernstfall erfordert definierte Verantwortlichkeiten, eindeutige Kommunikationsstrukturen und eine verbesserte Abstimmung zwischen allen Projektpartnern. Regelmäßige Weiterbildungen und Schulungen von Agenturmitarbeitern zu Sicherheitsthemen werden zu mehr Kompetenz und Transparenz im Bereich Veranstaltungssicherheit führen. Die Einrichtung einer zentralen Koordinationsstelle, bei der alle Fäden zusammenlaufen, ist unverzichtbar.

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Autor: Frank Brehm

Veröffentlicht am: 21.12.2017


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