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Themensammlung - Recht & Compliance

Neues vom Pharma-Kodex

Der Aufwand für MICE-Planer steigt weiter

Die Zahl an Geschäftsreisen und der Bedarf an Tagungen, Kongressen und Events ist hoch: Die Pharma-Branche Branche ist von einem lebhaften Außenhandel geprägt. Allerdings gehorchen die Pharmaanbieter hier ihren eigenen Gesetzen: Das Thema Compliance spielt eine enorme Rolle, und seit zwölf Jahren regelt der Pharma-Kodex die Zusammenarbeit von Konzernen und Ärzten.

Der Pharma-Kodex in der Praxis

Für die MICE-Planer in den Pharma-Unternehmen steigt der Aufwand weiter: Ab Jahresmitte müssen die Mitgliedsunternehmen des Vereins zur freiwilligen Selbstkontrolle für die Arzneimittelproduktion (FSA) auf ihren Websites alle finanziellen Förderungen an Ärzte und Apotheker namentlich ausweisen (Transparenzkodex). Das gilt auch für Reise- und Hotelkosten bei MICE-Veranstaltungen. Deren Höhe soll künftig für jedermann online sichtbar sein – samt Namen der Mediziner. Das bedeutet: Eventplaner müssen künftig sämtliche Kosten detailliert aufführen können; Pauschalbeihilfen, wie sie bislang noch Usus sind, sind dann nicht mehr möglich.

Den Verein FSA hatten die deutschen Pharmahersteller vor zwölf Jahren gegründet: Damals häuften sich Vorwürfe, bei den oft teuren Ärzte-Events handele es sich um Korruption, da die Unternehmen mit diesen die Verschreibepraxis der Mediziner in ihrem Sinne beeinflussen wollten. Bevor der Staat mit strengen Gesetzen aktiv würde, entschied man sich zur Selbstregulierung: Mit seinem Pharma-Kodex legt der FSA seither fest, wie Ärzteveranstaltungen aussehen dürfen, damit sie nicht als Bestechung gelten. Bei Verstößen kann eine Schiedsstelle Strafen von bis zu 400.000 Euro verhängen.

Arbeit statt Freizeit

Für Bewirtungskosten wurden harte Grenzen festgelegt (60 Euro pro Kopf), das Rahmenprogramm muss enorm „im Rahmen“ bleiben, Show-Einlagen sind verboten, der Ehepartner bleibt zu Hause (oder er/sie bezahlt die Reise und die Teilnahme am Event aus eigener Tasche), und nur noch solche Hotels und Destinationen gelten als „sauber“, in denen der Freizeitwert eher gering ist. Eine Mär hingegen ist, dass grundsätzlich alle Fünf-Sterne-Häuser ausgeschlossen sind – und dennoch verzichten inzwischen viele Firmen auf sie, aus Angst, sonst vom Konkurrenten angeschwärzt zu werden. Oder auch, weil unternehmensinterne Compliance-Vorschriften noch strenger sind als der Kodex.

Gewinner der Regelung sind bei den Destinationen Deutschland und Europa, Reisen in entferntere Regionen finden inzwischen kaum noch statt. Bei den Veranstaltungsstätten wiederum haben vor allem die Tagungshotels und die Kongresszentren zugelegt. Sogenannte Special Event Locations haben seit Bestehen des Pharma-Kodexes mehr als 50 Prozent ihrer Gäste aus dem Medizinsegment eingebüßt.

Kodexkonform-Siegel

So ganz eindeutig liest sich der Kodex der FSA allerdings nicht, Raum für Interpretationen bleibt reichlich. Und auch die Schiedsstelle sorgt mitunter für Verwirrung: In einer ihrer Entscheidungen etwa hatte sie eine Veranstaltung auf Sylt als nicht-kodexkonform bezeichnet, während ein Event am Chiemsee unbeanstandet blieb.

Im Nachgang freilich relativierte sie: Sylt an sich scheide trotz seines erheblichen Freizeitwertes keineswegs als Tagungsort für Fortbildungsveranstaltungen der Pharmabranche aus. Es komme hingegen immer darauf an, ob im konkreten Fall dieser Ort „nach sachlichen Gesichtspunkten“ ausgewählt worden sei. So müsse in der Einladung auch optisch der Gegenstand der Veranstaltung in den Vordergrund gerückt werden – nicht aber Sylt und die mit der Insel verbundenen Assoziationen.

Grundsätzlich zu beachten ist auch: Der Kodex gilt ausschließlich für Einladungen an Ärzte und Apotheker. Kommen hingegen die Unternehmen selbst zu Meetings, Kongressen oder Events zusammen – egal ob Führungskräfte, Mitarbeiter oder die Lieferanten der Konzerne –, gelten die Compliance-Regeln der FSA selbstverständlich nicht, da hier die Bestechungsgefahr logischerweise ausgeschlossen ist.

Und für alle anderen Veranstaltungen gilt: Hotels können sich inzwischen um spezielle Siegel bewerben, die ihnen ihre Kodexkonformität bescheinigen – wenn auch nicht offiziell und nicht vom FSA selbst vergeben, sondern von externen und unabhängig agierenden Unternehmen. Durchaus gilt es dennoch als Verkaufsargument, denn Einkäufer und Planer halten längst Ausschau nach solchen Zertifikaten, um auf der sicheren Seite zu sein.

Kodexzertifiziert-Siegel für Hotels

Längst nicht jedes Fünf-Sterne-Hotel verstößt gegen die Regeln des Pharma-Kodex der Freiwilligen Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie (FSA). Wichtig ist: Ein kodexkonformes Haus muss seinen Schwerpunkt im Business- und Veranstaltungssektor haben und über geeignete Tagungsräume verfügen. Wichtig sind zudem eine gute Erreichbarkeit sowie ein angemessenes Verhältnis zwischen Zimmeranzahl und Tagungsräumen. Die inzwischen vom dfv übernommene MICE AG und der 2014 verstorbene MICE-Spezialist Gerhard Bleile haben vor Jahren das Siegel „Kodexzertifiziert“ geschaffen, um das sich die Hotellerie bewerben kann. Zwar agiert der Betreiber unabhängig von der FSA, dennoch prüft er sehr genau, ob die Häuser alle Kodexkriterien erfüllen. Inzwischen tragen etwa 150 Hotels in Deutschland dieses Siegel. Dabei können die Häuser nicht nur ihre „Hardware“ zertifizieren lassen, sondern auch die „Software“, also das Personal, schulen lassen. Weitere Informationen: www.kodexzertifiziert.de


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Bildquelle: Bayer AG

Autor: Gastautor: Oliver Graue // BizTravel

Veröffentlicht am: 26.05.2016


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