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Technik-News

Jeder Gegenstand als Schaltzentrale

Amerikanische Forscher präsentieren den ersten aufsprühbaren Touchscreen

Gerade hat sich der MICE Club LIVE in München intensiv und kreativ mit denjenigen Zukunftstrends auseinandergesetzt, die in absehbarer Zukunft die Eventbranche erreichen, wenn nicht ein Stückweit umkrempeln werden. Triebfeder all dessen ist vor allem der technologische bzw. digitale Fortschritt, der dank seines exponenziellen Wachstums völlig neue Arbeits-, Organisations-, Networking- und Mobilitätsperspektiven erschließt. Ganz zu schweigen von neuen Erlebniswerten und -welten, die in den Forschungsinstituten und Startup-Schmieden dieser Welt derzeit angedacht werden.

Passend dazu haben Forscher der Carnegie Mellon University in Pittsburgh jüngst den „Touchscreen der Zukunft“ entwickelt. Das Tippen, Wischen, Scrollen und Auswählen per Fingertipp ist uns ja spätestens seit der Erfindung des Smartphones vor rund zehn Jahren bestens vertraut. Bislang aber ist es abhängig von einer speziellen berührungsempfindlichen Oberfläche, die Bewegung und Druck in elektrische Impulse und schließlich in Befehle umwandelt. Was aber, wenn man diese gar nicht mehr benötigen würde? Dieser Frage haben sich die US-Wissenschaftler angenommen und – man halte sich fest – ein Spray erfunden, das sich in Verbindung mit winzigen Elektroden und einer Backgroundsoftware zu einem multifunktionalen Display umwandeln lässt.

Anfassen ausdrücklich erlaubt

Auf Wänden, Türen, Tischen oder Stuhllehnen aufgetragen, kann mit dem „Electrick“ genannten System jede Oberfläche als Touchpad fungieren und muss dafür nicht einmal glatt sein. Auch das Material der Auftragsfläche ist beliebig: von Holz über Plastik, Stein, Metall und Gips bis hin zu Knetmasse, Stoff oder sogar menschlicher Haut ist alles möglich.

Klingt vielleicht komisch, ist aber so! Am besten lässt sich das Prinzip anhand eines Videos darstellen, bevor wir hier zu sehr ins technische Detail gehen:


Der Kniff besteht jedenfalls darin, eine nichtleitende Oberfläche mit Hilfe von Spray und Elektroden in eine schwach leitende Oberfläche zu verwandeln, die mit der richtigen Programmierung im Hintergrund selbst auf geringste elektrische Spannungen reagiert. Für alle, die es interessiert: Derartige Systeme machen sich die sogenannte elektrische Feldtomografie zunutze.

Sollte „Electrick“ der Future Interfaces Group an der Carnegie Mellon University tatsächlich zur Marktreife gelangen, ist es leicht vorstellbar, dass interaktive Benutzeroberflächen für alle Gäste in Zukunft auch in den entlegensten, kargsten, rudimentärsten oder sogar in freier Natur gelegenen Locations zum Einsatz kommen. Auch mobile Messestände könnten sicherlich eine willkommene Nutzeroberfläche darstellen, die sich natürlich vor allem für einfache Anwendungen eignet: dem Dimmen von Licht, dem Registrieren von Gästen, der Regelung der Temperatur oder der Abstimmung bei Wahlvorgängen.

Derzeit tüfteln die Wissenschaftler in Pittsburgh an der Haltbarkeit des schnell aushärtenden Sprühfilms, sodass das Touchpad von morgen nicht nur temporär, sondern auch dauerhaft eingesetzt werden kann. Wie bei allen technischen Neuerungen bleibt aber abzuwarten, ob sich diese Innovation trotz bewiesener Funktionalität am Markt durchsetzen wird. Über die Wirtschaftlichkeit von „Electrick“ dürfte am Ende die übliche Kosten-Nutzen-Rechnung entscheiden.


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Bildquelle: Yang Zhang

Autor: Frank Brehm

Veröffentlicht am: 22.06.2017


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