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Technik-News

Eventtechnologien, neuester Stand

Über den Stand der Digitalisierung in der Veranstaltungsbranche

Bereits seit seinen Anfängen beschäftigt sich das MICE Club-Magazin regelmäßig mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Eventindustrie. Neue Erlebniswelten und Erfahrungshorizonte auf Besucherseite sind damit genauso verbunden wie innovative Technologien, die die Eventplanung, -durchführung und -nachbereitung nachhaltig verändern.

Nun hat die Businessplattform XING einen Report veröffentlicht, der sich den aktuellen digitalen Errungenschaften in der Veranstaltungsbranche widmet. Die wichtigsten Inhalte möchten wir Ihnen an dieser Stelle natürlich nicht vorenthalten, wobei wir über so manches bereits an anderer Stelle ausführlich berichtet haben. Dennoch gibt der Report einen guten Überblick über den aktuellen Status quo des Einsatzes neuer Eventtechnologien. Im Fokus stehen dabei die vier Bereiche Virtual Reality (VR), Face-ID, Near Field Communication (NFC) sowie die zunehmende Digitalisierung von Leistungen, die bislang offline erbracht wurden.

Laut einer weiteren XING-Studie versprechen sich Veranstalter durch die Digitalisierung vor allem eine Erleichterung und Vereinfachung der Eventorganisation. Dabei sehen 75 Prozent der Befragten den größten Vorteil im einem vereinfachten Teilnehmermanagement, gefolgt von Zeitersparnis (69 %) und Effizienzsteigerung (67 %). Überraschend mutet dagegen an, dass nicht einmal die Hälfte der Veranstalter eine Steigerung des Eventerlebens durch neue Technologien im Visier hat, während sich fast drei Viertel der befragten Teilnehmer dahingehende Innovationen wünschen würden.

Dem Einsatz digitaler Eventtechnologien stehen von Seiten der Branche und ihrer Klientel somit unterschiedliche Erwartungshaltungen gegenüber. Generell lässt sich aber sagen, dass diejenigen Technologien, die bereits erfolgreich Einzug in den Verbraucheralltag gehalten haben, auch in der Eventbranche verstärkt zum Einsatz kommen – im Gegensatz zu denjenigen, die weitgehend noch in der Erprobungsphase sind oder keinen direkten wirtschaftlichen Nutzen versprechen. Hier ist in erster Linie der Bereich VR zu nennen, dem sich der XING-Report als erstes annimmt.

VR in der „Realversion“

Die Virtual Reality (VR) lässt sich, ergänzt um die Augmented Reality (AR), in zwei Hauptsegmente aufteilen:

  • Virtuelle und hybride Konferenzen werden ausschließlich bzw. größtenteils über das Internet abgehalten. Je nach Format kommen Kameras, Chatbots und 3D-Umgebungen zum Einsatz. Sie dienen in erster Linie dem Erzielen einer hohen Reichweite sowie der Zeit- und Kostenreduzierung, da etwa Anreise, Raummieten und Catering entfallen. Die räumliche Unabhängigkeit bietet natürlich auch dem Teilnehmer ein Plus an Komfort und Flexibilität. Darüber hinaus ist der virtuelle Besuch real stattfindender Veranstaltungen stark im Kommen, wenn diese durch entsprechende Kameratechnologie mitgefilmt und so auch für Nicht-Besucher erlebbar gemacht werden.
  • 360-Grad-Technologien ermöglichen es dem User, mithilfe von VR-Brillen und mitunter auch sensorischer Kleidung komplett in virtuelle Welten einzutauchen und diese aktiv mitzugestalten. Was in der Videospielbranche bereits „State of the Art“ ist, ist jedoch immer noch mit erheblichem Programmier- und Hardware-Aufwand verbunden. Solange 3D-Realitäten nicht alltagstauglich sind, werden sie wohl auch im Eventsektor eher ein aufmerksamkeitsstarkes Nischenprodukt bleiben. Die Zukunft liegt hier bei entsprechenden Webanwendungen, da diese einem viel breiteren Publikum zugänglich gemacht werden können.

Insbesondere, wenn es ums Marketing und eine hohe Reichweite geht, setzt sich VR in der Eventbranche immer stärker durch. Virtuelle Rundgänge in einer Location dienen beispielsweise dazu, potenzielle Kunden, Sponsoren und Teilnehmer anzulocken, während die Bereitstellung von 360-Grad-Aufzeichnungen das Event vom reinen Livegeschehen entkoppelt.

Ein Blick, ein Ticket

Schon in vielen Lebensbereichen präsent ist die Personenidentifikation via Gesichtserkennung – von der Passkontrolle am Flughafen bis zum Entsperren des eigenen Smartphones. Die sogenannte Face-ID-Technologie bietet darüber hinaus derzeit das schnellste Einlassmanagement sowie eine sichere Personenidentifikation. Experten wie Werner Schiffer, Geschäftsführer von FastLane, sind sich sicher, dass diese Technologie zukünftig noch mehr Anwendungsbereiche abdecken wird. Damit ist gemeint, dass Biometriedaten ohne Weiteres auch mit persönlichen Daten angereichert werden können.

Allein aus datenschutzrechtlichen Gründen (Stichwort DSGVO) kann und darf so etwas natürlich nur anlassbezogen, zeitlich begrenzt und mit der Einwilligung des Besuchers geschehen. Dieser aber dürfte sich dann nicht nur auf einen raschen und unkomplizierten Einlass freuen, sondern auch darüber, auf einer Messe z.B. direkt zum relevanten Ausstellungsbereich weitergeleitet zu werden. Ihm könnte darüber hinaus eine personifizierte Event-App oder online bereitgestelltes Infomaterial zu relevanten Interessenschwerpunkten bereitgestellt werden.

Bei alldem ist Face-ID tatsächlich deutlich schneller und genauer als Barcodes, QR-Codes oder RFID-Tags. Der Scan erfolgt vollautomatisch, die Identifikation ist eindeutig und die Suche nach einem Ausweisdokument in Papierform oder auf dem Smartphone entfällt. Der Prozess der Berechnung der Biometriedaten kann dabei relativ problemlos in jede Online-Registrierung integriert werden. Damit die Technologie der Gesichtserkennung aber als unbedenklich und sicher eingestuft werden kann, bedarf es gerade in Deutschland noch eines Vertrauensaufbaus seitens der Anbieter und Anwender. Nur durch transparente Information und intensive Kommunikation zu den Vorgängen in der Datenverarbeitung wird es möglich sein, das nötige Vertrauen in diese Technologie zu schaffen.

Dass dies mitunter ein langer Weg sein kann, belegt die Tatsache, dass bei mehreren Veranstaltungen hierzulande nur 18 Prozent der Teilnehmer die durch FastLane angebotene Face-ID-Technologie bereitwillig genutzt haben. Bei einer vergleichbaren internationalen Veranstaltung in Amsterdam haben hingegen 70 Prozent der Teilnehmer die Gesichtserkennung beim Einlass gewählt. Auffällig und im Sinne der Veranstalter positiv zu bewerten ist aber der hohe Zuspruch von über 80 Prozent, die Face-ID nach der ersten Nutzung zur Einlasskontrolle erneut nutzen wollen.

Alte Technologie, neu interpretiert

Die sogenannte Near Field Communication (NFC) erfolgt mit Hilfe von RFID-Chips, die in einem Sender- und Empfängermedium verbaut sind. Hierbei kommt über sehr kurze Reichweiten das Prinzip der elektromagnetischen Induktion zum Einsatz, wie man es erstmals bereits in den späten 1980er-Jahren bei Hotelschlüsselkarten, Skipässen und ÖPNV-Tickets findet. Hierfür ist nicht notwendigerweise die Ausgabe einer personalisierten Chipkarte vonnöten. Auch das eigene Smartphone kann in NFC-fähiger Ausführung als kontaktloses Zahlungsmittel, Türöffner oder Eintrittskarte dienen.

Doch egal ob Karte, Smartphone oder RFID-Armband – grundsätzlich kann jede NFC-Anwendung mit zusätzlichem „Content“ aufgewertet werden. Der Vergleich zu Face-ID drängt sich dabei unweigerlich auf: Denn wann immer jemand digital identifiziert ist, lassen sich durch die gezielte Datenbankverknüpfung zusätzliche personalisierte Angebote bereitstellen. Da bei NFC stets die bewusste Aktivität seitens des Users vonnöten ist, sind die Sicherheitsbedenken hier nicht ganz so hoch.

Der Veranstalter profitiert indessen von der Nachverfolgbarkeit der getätigten Anwendungen. Wie viele Personen haben via NFC bezahlt? Wie viele haben an der Gewinnspielstation Halt gemacht? Wer hat den mobilen Informationsabruf genutzt? Diese und weitere Erkenntnisse helfen bei einer gezielten Eventnachbearbeitung im Hinblick auf künftige Verbesserungen und weitere Optimierungen.

Goodies, digital verpackt

In einem weiteren Anwendungsfeld verweist der XING-Report auf die zunehmende Transformation analoger Produkte in die digitale Welt. Als Beispiel werden etwa digitale Goodie Bags angeführt, die sich verstärkt im Eventbusiness durchsetzen. Statt der üblichen Prospekte und Gutscheine in Papierform sowie beliebter Give-aways wie Kugelschreiber oder USB-Sticks liegt der Inhalt dann auf personalisierten Microsites online für den Teilnehmer bereit.

Digitale Goodie Bags, wie sie etwa die Firma eventbaxx anbietet, beinhalten neben klassischem Informationsmaterial beispielsweise Gewinnspiele, Videos, Fotogalerien, Umfragen, Gutscheine oder Rabattcodes. Der Vorteil für den Anbieter: Es tun sich neue Umsatz- und auch Co-Sponsoring-Möglichkeiten auf und der ROI kann direkt gemessen werden. Der Besucher wiederum loggt sich dabei nur kurz auf der Microsite ein und muss nicht etwa eine separate App auf seinem Smartphone installieren.

Fazit: Wirtschaftlichkeit vor Experimentierfreude

Neue Eventtechnologien erfahren sowohl auf Veranstalter- und Teilnehmerseite dann die größte Akzeptanz, wenn sie bereits markterprobt und ins tägliche Leben integriert sind. Im Mittelpunkt steht dabei der Aspekt der Individualisierung durch digitale Prozesse, wie man sie z.B. von Kaufempfehlungen beim Online-Shopping kennt: Wer Produkt A erworben hat, dürfte sich dem Algorithmus zufolge auch für Artikel B interessieren. Des Weiteren sorgen digitale Technologien für eine deutliche Beschleunigung von Prozessen rund um die Eventorganisation, was Veranstaltern wie Besuchern zugutekommt.

Um dem Anwender vertrauenswürdige und unkomplizierte Digitalangebote zukommen zu lassen, die noch dazu durch detailreiche Auswertungs- und Kontrollmöglichkeiten überzeugen, sollten Veranstalter in jedem Fall auf externe Beratung und die Kooperation mit renommierten IT-Anbietern setzen. Denn ohne entsprechendes Technik-Know-how sind derartige Aufgaben auch für Eventprofis kaum mehr professionell zu realisieren.

Weitere Transformationen durch die Digitalisierung stehen zweifellos an. Doch bevor der „tägliche Plausch“ mit künstlicher Intelligenz oder das Eintauchen in komplexe 3D-Welten zur Selbstverständlichkeit werden, dürften noch einige Jahre ins Land ziehen. Wer es sich leisten kann oder aber in der Technologiebranche zuhause ist, kann mit entsprechenden Anwendungen aber selbstverständlich auf ein gesteigertes Publikumsinteresse hoffen.


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Bildquelle: Pixabay

Autor: Frank Brehm

Veröffentlicht am: 13.03.2019


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